Reinhold Messner: Biographie, Leistungen und alle 14 Achttausender im Überblick

Sophie Eldridge

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Zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2026

Reinhold Messner gehört zu den bekanntesten Bergsteigern der Welt. Der Südtiroler bestieg als erster Mensch alle 14 Achttausender, bezwang den Mount Everest ohne Sauerstoff und durchquerte Kontinente zu Fuss. Mit über 80 Jahren ist er noch immer aktiv als Buchautor, Vortragsreisender und Kritiker des modernen Höhenbergsteigens. Wer war und ist Reinhold Messner?

Biographie: Kindheit und frühe Bergsteigerkarriere

Reinhold Messner wurde am 17. September 1944 in Brixen (Südtirol) geboren. Sein Vater Josef Messner war Lehrer, seine Mutter Maria entstammte einer einheimischen Bergbauernfamilie. Als ältestes von neun Geschwistern wuchs er im Villnöss-Tal auf, einem abgelegenen Bergtal im heutigen Südtirol, das damals noch von Kriegsnachwehen geprägt war.

Sein erstes Bergerlebnis hatte Messner mit gerade fünf Jahren, als ihn sein Vater auf einen Dreitausender mitnahm. Schon früh zeigte er außergewöhnliche Begabung und Risikobereitschaft. Im Alter von 13 Jahren begann er, anspruchsvolle Klettertouren im Villnösser und Geisler-Gebiet zu unternehmen. Bereits als Teenager galt er als einer der besten Kletterer Südtirols.

Seine Ausbildung absolvierte er als Ingenieur der Bauwissenschaften an der Universität Padua, die er jedoch zugunsten seiner Bergsteigerkarriere nicht abschloss. Das Bergsteigen wurde zu seiner Lebensaufgabe.

Erste Erfolge und der Aufstieg zum Weltklasse-Bergsteiger

In den 1960er Jahren vollbrachte Messner gemeinsam mit seinem Bruder Günther zahlreiche Erstbegehungen und Extremklettertouren in den Dolomiten und Alpen. Sein Kletterstil war revolutionär: Er lehnte Fixseile, Haken und andere technische Hilfsmittel weitgehend ab und setzte auf das sogenannte Alpinstil-Bergsteigen – schnell, leicht und mit minimalem Material.

1969 gelang ihm und seinem Bruder eine Sensation: die Erstbegehung der Rupal-Flanke am Nanga Parbat (8.126 m), der größten Felswand der Erde. Beim Abstieg über die Diamir-Seite kam Günther Messner unter einer Lawine ums Leben – ein Trauma, das Reinhold Messner zeitlebens begleitete und später Gegenstand kontroverser Debatten wurde.

Die 14 Achttausender: Ein Menschheitsprojekt

Das Hauptprojekt, das Messners Namen unsterblich machte, war die Besteigung aller 14 Achttausender ohne Flaschensauerstoff. Zwischen 1970 und 1986 bestieg er jeden der 14 Berge über 8.000 Metern, die alle in Zentralasien (Himalaya und Karakorum) liegen.

Die 14 Achttausender Messners in chronologischer Reihenfolge:

  • 1970: Nanga Parbat (8.126 m) – Erstbegehung Rupal-Flanke (tragischer Tod des Bruders Günther)
  • 1972: Manaslu (8.163 m)
  • 1975: Hidden Peak / Gasherbrum I (8.080 m) – erste alpine Besteigung eines Achttausenders
  • 1978: Everest (8.849 m) – erstmals ohne Flaschensauerstoff (mit Peter Habeler)
  • 1978: Nanga Parbat – zweite Besteigung, erstmals solo
  • 1979: K2 (8.611 m)
  • 1980: Everest – Solo-Besteigung, Solo ohne Sauerstoff
  • 1981: Shisha Pangma (8.027 m)
  • 1982: Kanchenjunga (8.586 m), Gasherbrum II (8.034 m), Broad Peak (8.051 m) – drei Achttausender in einem Jahr
  • 1983: Cho Oyu (8.188 m)
  • 1984: Gasherbrum I und II in einem Durchgang ohne Lager dazwischen
  • 1985: Annapurna (8.091 m), Dhaulagiri (8.167 m)
  • 1986: Makalu (8.485 m), Lhotse (8.516 m) – mit der Besteigung des Lhotse vervollständigte er als erster Mensch alle 14 Achttausender

Everest ohne Sauerstoff: Die Leistung von 1978

Am 8. Mai 1978 erreichten Reinhold Messner und der Österreicher Peter Habeler als erste Menschen den Gipfel des Mount Everest (8.849 m) ohne Flaschensauerstoff. Bis dahin galt ein solcher Aufstieg als medizinisch unmöglich. Experten hatten argumentiert, dass das menschliche Gehirn in dieser Höhe irreversiblen Schaden nehme. Messner und Habeler widerlegten diese These spektakulär.

Zwei Jahre später, am 20. August 1980, bestieg Messner den Everest erneut – diesmal völlig allein und wiederum ohne Sauerstoff. Er wählte den Nordanstieg über Tibet und benötigte für den Gipfeltag drei Tage. Diese Solo-Besteigung gilt bis heute als eine der größten Einzelleistungen in der Geschichte des Alpinismus.

Expeditionen abseits der Berge: Polarexpeditionen und Wüstenquerungen

Messner blieb nicht auf Berge beschränkt. Er unternahm mehrere extreme Expeditionen zu Fuss:

  • Antarktis 1989/1990: Gemeinsam mit dem deutschen Arktisforscher Arved Fuchs durchquerte er die Antarktis zu Fuss – 92 Tage, 2.800 Kilometer ohne Motorhilfe
  • Grönland 1993: Querung Grönlands
  • Tibetisches Hochplateau 1993: Durchquerung Tibets
  • Gobi-Wüste und Taklamakan 2000: Durchquerung zweier der unwirtlichsten Wüsten der Erde

Messner bewies damit, dass sein Ansatz des minimalistischen Abenteurertums weit über das Bergsteigen hinausging.

Messner Mountain Museum: Das Vermächtnis

Ab 2002 verwirklichte Messner ein kulturelles Großprojekt: Das Messner Mountain Museum (MMM), ein Netz aus sechs Bergmuseen in Südtirol, die den Bergen gewidmet sind. Die Museen liegen in verschiedenen Höhen und Regionen:

  • MMM Firmian auf Schloss Sigmundskron bei Bozen – dem Geist des Berges gewidmet
  • MMM Juval auf Schloss Juval im Vinschgau – Tibet und Schamanismus
  • MMM Dolomites auf dem Gipfel der Dolomiten – den Dolomiten gewidmet
  • MMM Ortles in Sulden am Ortler – dem Eis gewidmet
  • MMM Ripa auf Schloss Bruneck – Bergvölkern der Welt gewidmet
  • MMM Corones auf dem Kronplatz – Freiheit und Pioniergeschichte des Bergsteigens

Die Museen sind heute eine bedeutende Touristenattraktion Südtirols und Teil seines kulturellen Erbes.

Politisches Engagement und Europäisches Parlament

Von 1999 bis 2004 war Reinhold Messner Mitglied des Europäischen Parlaments für die Grünen. Er setzte sich für Umweltschutz, Berggebiete und kulturelle Minderheitenrechte ein. Sein politisches Engagement war umstritten – Kritiker warfen ihm mangelnde Kontinuität vor – doch Messner sah das Mandat als Bühne für ökologische Themen.

Privatleben und Familie

Reinhold Messner war dreimal verheiratet. Seine dritte Ehefrau ist Diane Schumacher, eine luxemburgische Unternehmerin, die er 2021 heiratete. Im August 2025 erneuerte das Paar sein Eheversprechen. Aus früheren Beziehungen hat Messner mehrere Kinder.

Er lebt auf seinem Schloss Juval im Südtiroler Vinschgau, das er seit den 1980er Jahren zu seinem Hauptwohnsitz gemacht hat. Der Betrieb des Schlosses – mit Weinanbau, Tierhaltung und dem Museum – ist Teil seines Alltags.

Messner als Buchautor und Vortragsreisender

Mit über 70 Büchern ist Messner einer der produktivsten deutschsprachigen Abenteurer-Autoren. Seine Bücher schildern nicht nur Expeditionen, sondern reflektieren Philosophie des Abenteuers, Grenzgänge des Menschen und die Beziehung zwischen Mensch und Natur. Zu seinen bekanntesten Werken gehören:

  • „Der 7. Grad“ (1973) – Kletterphilosophie
  • „Everest: Expedition zum Endpunkt“ (1978)
  • „Die Freiheit, aufzubrechen wohin ich will“ (1989)
  • „Über Leben“ – Autobiographische Reflexionen

Als Vortragsreisender ist Messner auch 2026 noch aktiv. Auf seiner Website reinhold-messner-live.de werden aktuelle Termine seiner Vorträge zu Programmen wie „Kalipé“, „Nanga Parbat“ und „Über Leben“ angekündigt.

Kontroversen: Der Rekordstreit um die Achttausender

2023/2024 entbrannte eine internationale Debatte um Messners Weltrekorde. Bergsteigerexperten und Forscher stellten die Frage, ob Messner tatsächlich alle 14 Hauptgipfel der Achttausender bestiegen hatte oder ob bei einigen Besteigungen Zweifel an der genauen Gipfelerreichung angebracht seien – eine in der Bergsteigerwelt bekannte Problematik, da Gipfeldokumentationen aus den 1970er und 1980er Jahren oft auf Fotos und persönlichen Aussagen beruhten.

Messner selbst wies die Vorwürfe zurück und verwies auf die damaligen Dokumentationsmethoden sowie auf sein persönliches Ehrenwort. Die Debatte berührt grundsätzliche Fragen der Bergsteigermoral und historischen Verifikation.

Messners Philosophie: Bergsteigen als Grenzgang

Was Messner von anderen Bergsteigern unterscheidet, ist nicht nur sein athletisches Können, sondern seine Philosophie des Bergsteigens. Er lehnte und lehnt künstliche Hilfsmittel ab, die nach seiner Ansicht das eigentliche Wesen des Alpinismus verfälschen:

  • Kein Flaschensauerstoff: Auf Achttausendern gilt Sauerstoff aus der Flasche als „Doping der Berge“
  • Kein Hubschrauber für Evakuierungen: Wer auf einen Berg geht, übernimmt volle Eigenverantwortung
  • Keine Fixseile und Sherpas als Träger: Der Alpine Stil fordert Selbstständigkeit
  • Respekt vor dem Berg: Der Berg ist kein Hindernis, sondern ein Partner

Diese Haltung hat ihn nicht nur zu Ruhm geführt, sondern auch zu Kritik – insbesondere wenn er kommerzielle Expeditionen oder Anfänger auf Achttausendern ablehnte.

FAQ zu Reinhold Messner

Wie alt ist Reinhold Messner 2026?

Reinhold Messner wurde am 17. September 1944 geboren. Im September 2026 wird er 82 Jahre alt.

Wie viele Bücher hat Reinhold Messner geschrieben?

Messner hat über 70 Bücher veröffentlicht, darunter Expeditionsberichte, philosophische Essays und autobiographische Werke.

Warum ist Messner 1978 ohne Sauerstoff auf den Everest geklettert?

Messner wollte beweisen, dass der menschliche Körper in der Lage ist, die höchste Stelle der Erde ohne künstliche Atemhilfe zu erreichen. Er sah Flaschensauerstoff als Betrug am Berg und als Verfälschung der Leistung. Die Besteigung gelang und widerlegte die medizinische Schulmeinung der Zeit.

Hat Messner eine Familie?

Messner ist in dritter Ehe mit Diane Schumacher verheiratet (seit 2021). Er hat Kinder aus früheren Beziehungen und lebt auf Schloss Juval in Südtirol.

Was ist das Messner Mountain Museum?

Das MMM ist ein Netz aus sechs Bergmuseen in Südtirol, das Messner ab 2002 aufgebaut hat. Die Museen thematisieren Bergvölker, Expeditionsgeschichte, Dolomiten und Berggeist und sind wichtige Kultureinrichtungen der Region.

Was bedeutet Alpinstil beim Bergsteigen?

Alpinstil bedeutet, einen Berg mit minimalem Material, ohne vorausgehende Lagerinstallation, ohne Flaschensauerstoff und oft in kleiner Gruppe oder solo zu besteigen. Im Gegensatz dazu steht der Expeditionsstil, bei dem viele Lager, Fixseile und unterstützendes Personal eingesetzt werden.

Ist Reinhold Messner der beste Bergsteiger aller Zeiten?

Diese Frage ist subjektiv und unter Bergsteigern umstritten. Unbestritten ist, dass Messner als Erster alle 14 Achttausender ohne Flaschensauerstoff bestieg und damit Maßstäbe setzte. Andere Bergsteiger wie Krzysztof Wielicki oder Nirmal Purja haben später ebenfalls alle 14 Achttausender bestiegen, teils schneller – aber Messner bleibt der Pionier.

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