Der Ebola-Ausbruch vom Mai 2026 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dazu veranlasst, eine internationale Gesundheitsnotlage auszurufen. Im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo (DRK) und in Uganda wurden Hunderte Verdachtsfälle registriert. Was steckt hinter dem Ebolavirus, welche Symptome zeigt die Erkrankung, wie erfolgt die Übertragung, und was muss man wissen, um sich zu schützen?
Aktueller Ebola-Ausbruch 2026: Was bisher bekannt ist
Am 17. Mai 2026 erklärte die WHO den Ebola-Ausbruch in der Ituri-Provinz der Demokratischen Republik Kongo zur internationalen Gesundheitsnotlage (PHEIC). Laut WHO wurden bis zu diesem Zeitpunkt 246 Verdachtsfälle und 80 vermutete Todesfälle gemeldet, wovon acht Fälle laborbestätigt wurden. Das afrikanische Gesundheitszentrum Africa CDC meldete sogar 336 Verdachtsfälle und 88 Todesfälle.
Besonders besorgniserregend ist die geografische Ausbreitung: Ein Fall wurde in der Hauptstadt Kinshasa bestätigt, und zwei infizierte Personen aus dem Kongo reisten nach Uganda ein. Eine der betroffenen Personen verstarb dort. Die Region Ituri wird durch eine instabile Sicherheitslage, humanitäre Krisen und starke Bevölkerungsbewegungen zusätzlich belastet.
Der aktuelle Ausbruch wird durch den sogenannten Bundibugyo-Stamm des Ebolavirus verursacht, für den bislang kein zugelassener Impfstoff existiert. Dies unterscheidet den aktuellen Ausbruch von früheren, bei denen der Zaire-Stamm mit einem verfügbaren Impfstoff bekämpft werden konnte.
Was ist das Ebolavirus? Ursprung und Stämme
Das Ebolavirus gehört zur Familie der Filoviridae und wurde 1976 erstmals beschrieben, als gleichzeitige Ausbrüche im Kongo (damals Zaire) und im Sudan auftraten. Der Name leitet sich vom Fluss Ebola in der Demokratischen Republik Kongo ab.
Es gibt derzeit sechs bekannte Ebolavirus-Spezies:
- Zaire-Ebolavirus (EBOV) – der häufigste und gefährlichste Stamm, Sterblichkeitsrate bis zu 90 %
- Sudan-Ebolavirus (SUDV) – Sterblichkeitsrate 50-70 %
- Bundibugyo-Ebolavirus (BDBV) – aktueller Ausbruch 2026, Sterblichkeitsrate 25-40 %
- Tai-Forest-Ebolavirus (TAFV) – bisher nur ein Menschenfall bekannt
- Reston-Ebolavirus (RESTV) – nur bei Tieren nachgewiesen, bisher kein menschlicher Todesfall
- Bombali-Ebolavirus (BOMV) – bei Fledermäusen gefunden, klinische Bedeutung beim Menschen unklar
Als natürliches Reservoir gelten Fledermäuse sowie bestimmte Fruchtfledermäuse. Das Virus gelangt durch engen Kontakt mit infizierten Wildtieren (z. B. Fledermäusen, Affen, Schimpansen) auf den Menschen.
Symptome: So verläuft eine Ebola-Infektion
Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 2 bis 21 Tage, im Durchschnitt 6 bis 10 Tage. Während der Inkubationszeit ist die Person nicht ansteckend.
Frühphase (Tag 1 bis 3)
Die Erkrankung beginnt abrupt mit:
- Plötzlichem hohem Fieber (über 38,5 °C)
- Starkem Unwohlsein und Erschöpfung
- Muskel- und Gliederschmerzen
- Kopfschmerzen
- Halsschmerzen
Mittlere Phase (Tag 3 bis 7)
Im Verlauf kommen weitere Symptome hinzu:
- Übelkeit und starkes Erbrechen
- Durchfall (oft wässrig, gelegentlich blutig)
- Bauchschmerzen und -krämpfe
- Hautausschlag an Rumpf, Armen und Beinen
- Lichtempfindlichkeit und Bindehautentzündung
Schwere Phase (ab Tag 7)
In schweren Fällen kommt es zu einem Multiorganversagen:
- Blutungen aus Nase, Mund, Darm oder Haut (hämorrhagisches Fieber)
- Leber- und Nierenversagen
- Schock und Krampfanfälle
- Bewusstlosigkeit und Tod
Je nach Stamm und Gesundheitszustand des Betroffenen verläuft die Erkrankung in 30 bis 90 % der Fälle tödlich (beim aktuellen Bundibugyo-Stamm ca. 25-40 %).
Übertragung: Wie verbreitet sich das Ebolavirus?
Das Ebolavirus ist nicht durch die Luft übertragbar. Die Übertragung erfolgt ausschließlich durch direkten Kontakt mit:
- Körperflüssigkeiten infizierter Personen: Blut, Schweiß, Speichel, Tränen, Urin, Stuhl, Erbrochenes und Samenflüssigkeit
- Verstorbenen: Traditionelle Beerdigungsrituale, bei denen der Körper berührt wird, sind ein wichtiger Übertragungsweg
- Kontaminierten Gegenständen: Nadeln, Spritzen und andere medizinische Utensilien
Besonderes Risiko besteht für Pflegepersonal ohne ausreichenden Schutz, Haushaltsmitglieder erkrankter Personen und Bestatter, die Ebola-Verstorbene waschen.
Das Virus kann in Samenflüssigkeit bis zu 12 Monate nach der Genesung nachgewiesen werden. Genesene sollten daher Verhütungsmittel nutzen oder auf sexuelle Kontakte verzichten, bis ein negatives Testergebnis vorliegt.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose erfolgt durch Labortests, vor allem durch die Polymerase-Kettenreaktion (PCR), die Virus-RNA im Blut nachweist. Eine spezifische, zugelassene Behandlung für den Bundibugyo-Stamm gibt es nicht. Die Therapie ist supportiv:
- Ausgleich von Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten (intravenöse Infusionen)
- Behandlung von Sekundärinfektionen
- Fiebersenkung und Schmerzbehandlung
- Intensivmedizinische Überwachung
Für den Zaire-Stamm sind zwei Medikamente zugelassen (Inmazeb und Ebanga), die bei frühem Einsatz die Überlebenschance deutlich verbessern. Für den Bundibugyo-Stamm laufen entsprechende Studien.
Impfstoffe gegen Ebola
Gegen den Zaire-Stamm existiert der Impfstoff rVSV-ZEBOV (Ervebo), der seit 2019 zugelassen ist und in früheren Ausbrüchen erfolgreich eingesetzt wurde. Für den Bundibugyo-Stamm gibt es keinen zugelassenen Impfstoff. Die WHO setzt daher aktuell auf bewährte Eindämmungsmaßnahmen und experimentelle Behandlungsansätze.
Prävention: Was Sie tun können
Im Ausbruchsgebiet
Personen in betroffenen Regionen sollten folgende Regeln beachten:
- Kein Körperkontakt zu erkrankten oder verstorbenen Personen
- Händewaschen mit Seife oder Desinfektionsmittel nach jedem potenziellen Kontakt
- Keine Selbstbehandlung verstorbener Personen (kein traditionelles Waschen der Leiche)
- Medizinisches Personal muss vollständige Schutzausrüstung (PSA) tragen
- Betroffene Personen sofort isolieren
Rückkehr aus betroffenen Gebieten
Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt: Wer sich in einem Ebola-Ausbruchsgebiet aufgehalten hat, sollte sich 21 Tage lang täglich die Körpertemperatur messen. Bei Fieber oder anderen Symptomen sofort telefonisch Kontakt zum Gesundheitsamt oder ärztlichen Bereitschaftsdienst aufnehmen. Kein eigenhändiges Aufsuchen von Praxen oder Notaufnahmen ohne Voranmeldung.
Risikoeinschätzung für Reisende
Das Risiko einer Übertragung nach Europa ist nach Einschätzung des ECDC sehr gering, solange keine direkte Reise in das Ausbruchsgebiet stattgefunden hat. Dennoch sollten Personen, die in betroffene Länder reisen wollen, Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes prüfen und Kontakt mit kranken Personen vollständig meiden.
Historische Ebola-Ausbrüche: Ein Überblick
Ebola ist kein neues Virus. Es gibt immer wieder Ausbrüche, vor allem in Zentralafrika:
- 1976: Erster Ausbruch gleichzeitig im Kongo und im Sudan, ca. 600 Fälle und 430 Todesfälle
- 2007: Bundibugyo-Ausbruch in Uganda (149 Fälle, 37 Tode) – erster Nachweis des Bundibugyo-Stammes
- 2014-2016: Größter bekannter Ausbruch in Westafrika (Guinea, Sierra Leone, Liberia) – über 28.000 Fälle, mehr als 11.000 Tote
- 2018-2020: Zweitgrößter Ausbruch in der Ituri-Provinz des Kongo (3.481 Fälle, 2.299 Tote)
- 2022: Zaire-Ausbruch in Uganda
- 2026: Bundibugyo-Ausbruch in DRK und Uganda, WHO-Notlage ausgerufen
Ebola in Deutschland: Was passiert, wenn jemand erkrankt?
Für den Fall, dass eine an Ebola erkrankte Person nach Deutschland kommt, gibt es klare Protokolle:
- Hochinfektionsstationen: Deutschland verfügt über speziell ausgestattete Stationen in Krankenhäusern wie dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), der Berliner Charité und dem Klinikum Frankfurt Höchst
- Meldepflicht: Ebola ist in Deutschland nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) meldepflichtig
- Transport: Erkrankte werden in speziell ausgerüsteten Fahrzeugen transportiert
- Kontaktverfolgung: Alle Kontaktpersonen werden systematisch ermittelt und beobachtet
Bisher wurden nur wenige Ebola-Fälle in Deutschland behandelt, alle erfolgreich und ohne Weiterübertragung.
FAQ zum Ebola-Ausbruch 2026
Wie hoch ist das Risiko, dass Ebola nach Deutschland kommt?
Das Risiko ist nach aktueller Einschätzung des RKI und ECDC sehr gering. Die Übertragungswege sind gut verstanden, und Deutschland verfügt über spezialisierte Hochinfektionsstationen. Reisende aus Ausbruchsgebieten werden überwacht.
Warum ist der Bundibugyo-Stamm aktuell besonders relevant?
Für den Bundibugyo-Stamm gibt es keinen zugelassenen Impfstoff. Der zugelassene Zaire-Impfstoff bietet keinen ausreichenden Schutz gegen diesen Stamm. Dennoch ist die Sterblichkeitsrate mit 25-40 % niedriger als beim Zaire-Stamm mit bis zu 90 %.
Kann man sich im Alltag in Europa mit Ebola anstecken?
Nein. Ebola ist nicht durch die Luft übertragbar. Ohne direkten Körperkontakt mit infizierten Personen oder Materialien ist keine Übertragung möglich. Alltagskontakte wie das gemeinsame Nutzen öffentlicher Verkehrsmittel sind kein Risiko.
Wie lange ist man nach einer Ebola-Infektion noch ansteckend?
Das Virus kann in der Samenflüssigkeit bis zu 12 Monate nach der Genesung nachgewiesen werden. Blut und andere Körperflüssigkeiten können ebenfalls noch wochen- oder monatelang infektiös sein.
Sollte ich meine Reisepläne nach Afrika ändern?
Das kommt auf das Reiseziel an. Das Auswärtige Amt empfiehlt, Reisewarnungen für die betroffenen Gebiete in der Ituri-Provinz und angrenzende Regionen Ugandas zu beachten. Reisen in nicht betroffene Teile Afrikas sind in der Regel unbedenklich.
Wie erkenne ich, ob ich Ebola haben könnte?
Wenn Sie sich in den letzten 21 Tagen in einem Ebola-Ausbruchsgebiet aufgehalten haben und jetzt Fieber oder andere Symptome entwickeln, sollten Sie sofort telefonisch Ihren Arzt oder das Gesundheitsamt kontaktieren. Suchen Sie keine Notaufnahme ohne vorherige Ankündigung auf.
Warum hat die WHO eine internationale Notlage ausgerufen?
Der WHO-Notstand (PHEIC) ist die höchste Alarmstufe der Organisation. Er wurde ausgerufen, weil sich der Ausbruch auf mehrere Länder ausgebreitet hat, ein Impfstoff fehlt, die Sicherheitslage Eindämmungsmaßnahmen erschwert und ein internationales Koordinierungsbedürfnis besteht.








