Hantavirus 2026: Symptome, Ansteckung und Schutz nach MV-Hondius-Ausbruch

Sophie Eldridge

Hantavirus-Partikel mit Expeditionsschiff im Hintergrund, fotorealistische medizinische Illustration
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Zuletzt aktualisiert: 4. Mai 2026

Das Hantavirus ist ein seltenes, aber potenziell lebensgefährliches Virus, das hauptsächlich durch Nagetiere wie Mäuse und Ratten übertragen wird. Im Mai 2026 sorgt ein Ausbruch auf dem niederländischen Expeditionskreuzfahrtschiff MV Hondius mit drei Todesfällen und sechs bestätigten oder vermuteten Fällen weltweit für Schlagzeilen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ermittelt seit dem 3. Mai 2026 den genauen Hergang. Dieser Ratgeber erklärt verständlich, was das Hantavirus ist, wie es übertragen wird, welche Symptome auftreten und wie Sie sich wirksam schützen können.

Was ist das Hantavirus?

Hantaviren gehören zur Familie der Hantaviridae und umfassen weltweit mehr als 40 verschiedene Virustypen. Ihren Namen verdanken sie dem koreanischen Fluss Hantan, in dessen Nähe das Virus 1976 erstmals isoliert wurde. Jeder Virustyp hat in der Regel ein bestimmtes Nagetier als natürliches Reservoir. Die Tiere selbst erkranken nicht, scheiden das Virus jedoch über Speichel, Urin und Kot aus.

In Europa ist vor allem das Puumalavirus verbreitet, das von der Rötelmaus übertragen wird, sowie das Dobrava-Belgrad-Virus, dessen Reservoir die Brandmaus ist. In Deutschland werden laut Robert Koch-Institut (RKI) jährlich zwischen 200 und über 3.000 Fälle gemeldet, abhängig von der Mäusepopulation. In Nord- und Südamerika kommen aggressivere Virustypen wie das Sin-Nombre-Virus und das Andes-Virus vor, die das gefährliche Hantavirus-pulmonale-Syndrom (HPS) auslösen können.

Hantavirus-Krankheitsbilder im Überblick

  • Hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom (HFRS): Häufig in Europa und Asien, betrifft vor allem die Nieren.
  • Nephropathia epidemica: Mildere Form des HFRS, ausgelöst durch das Puumalavirus, dominiert in Mitteleuropa.
  • Hantavirus-pulmonales Syndrom (HPS): Schwere Lungenerkrankung, vor allem in Nord- und Südamerika, mit hoher Sterblichkeit von 30 bis 40 Prozent.

Übertragungswege: So gelangt das Virus zum Menschen

Die Ansteckung mit dem Hantavirus erfolgt fast ausschließlich indirekt über infizierte Nagetiere. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist bei den in Europa und Asien verbreiteten Virustypen nicht beschrieben. Beim südamerikanischen Andes-Virus, das im Verdacht steht, beim MV-Hondius-Ausbruch eine Rolle zu spielen, gibt es allerdings Hinweise auf seltene Mensch-zu-Mensch-Übertragungen.

Die wichtigsten Übertragungswege

  • Inhalation virushaltiger Aerosole: Aufgewirbelter Staub aus eingetrocknetem Mäusekot oder Urin gilt als häufigster Infektionsweg, etwa beim Reinigen von Schuppen, Garagen, Dachböden oder Ferienhäusern.
  • Hautkontakt: Über Hautrisse oder Schleimhäute können Viren beim Kontakt mit kontaminierten Oberflächen, Heu, Stroh oder Erde aufgenommen werden.
  • Bisse und Kratzer: Bisswunden durch Nagetiere übertragen das Virus direkt.
  • Kontaminierte Lebensmittel: Selten, aber möglich durch Lebensmittel, die mit Mäusekot in Berührung gekommen sind.

Das Virus bleibt in eingetrocknetem Material mehrere Tage infektiös. Besonders Risikogruppen sind Land- und Forstwirte, Bauarbeiter, Soldaten in Feldlagern, Camper und Personen, die viel im Freien arbeiten oder verlassene Gebäude betreten.

Symptome einer Hantavirus-Infektion

Die Inkubationszeit beträgt üblicherweise zwei bis vier Wochen, in Ausnahmefällen jedoch nur fünf Tage oder bis zu 60 Tage. Ein erheblicher Teil der Infektionen verläuft asymptomatisch oder mit milden, unspezifischen Beschwerden. Schwere Verläufe entwickeln sich typischerweise in mehreren Phasen.

Frühphase (Tag 1 bis 5)

  • Plötzlich einsetzendes hohes Fieber über 38,5 Grad Celsius
  • Starke Kopfschmerzen, oft hinter den Augen
  • Muskel- und Gliederschmerzen, besonders im Rücken
  • Schüttelfrost, Übelkeit und Erbrechen
  • Bauchschmerzen, manchmal Durchfall
  • Gerötete Augen und Hautausschläge

Spätphase bei schwerem Verlauf (ab Tag 4 bis 10)

  • Renales Syndrom (HFRS): Eingeschränkte Nierenfunktion, vermindertes Harnvolumen, Eiweiß im Urin, Rückenschmerzen, in schweren Fällen Nierenversagen mit Dialysepflicht.
  • Pulmonales Syndrom (HPS): Trockener Husten, zunehmende Atemnot, Lungenödem, Kreislaufschock. Eine intensivmedizinische Behandlung mit Beatmung wird oft notwendig.
  • Blutgerinnungsstörungen mit Hautblutungen oder blutigem Urin

Wer nach einem möglichen Kontakt mit Nagetieren plötzlich Fieber und grippeähnliche Beschwerden entwickelt, sollte umgehend einen Arzt aufsuchen und den Verdacht ansprechen. Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, da die Krankheit innerhalb weniger Tage lebensbedrohlich werden kann.

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose einer Hantavirus-Infektion erfolgt durch Bluttests, bei denen spezifische Antikörper (IgM und IgG) nachgewiesen werden. In der Frühphase kann das Virus auch direkt mittels PCR-Test in Blut oder Urin nachgewiesen werden. Eine Hantavirus-Infektion ist in Deutschland nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig.

Behandlungsmöglichkeiten

Eine spezifische antivirale Therapie gegen das Hantavirus existiert bislang nicht. Die Behandlung ist rein symptomatisch und unterstützend. Wichtige Maßnahmen sind:

  • Strenge Bettruhe und Überwachung der Vitalfunktionen
  • Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts
  • Schmerz- und Fiebersenkung mit Paracetamol (kein Acetylsalicylsäure wegen erhöhter Blutungsneigung)
  • Bei Nierenversagen: Dialyse, häufig vorübergehend
  • Bei Lungenversagen: Sauerstoffgabe, mechanische Beatmung, in schweren Fällen ECMO (extrakorporale Membranoxygenierung)
  • Engmaschige intensivmedizinische Überwachung bei schweren Verläufen

Frühzeitig eingeleitete Behandlung verbessert die Prognose deutlich. In Deutschland verläuft die Erkrankung meist mild, die Sterblichkeit liegt bei unter einem Prozent. Beim amerikanischen HPS dagegen versterben etwa ein Drittel der Patienten trotz intensivmedizinischer Versorgung.

Vorbeugung: So schützen Sie sich vor Hantaviren

Da es keinen zugelassenen Impfstoff in Europa gibt, sind Hygiene und Nagetierbekämpfung die wichtigsten Schutzmaßnahmen. Das RKI und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfehlen folgende Vorkehrungen:

Im und am Haus

  • Lebensmittel in dicht schließenden Behältern aus Glas oder Metall aufbewahren.
  • Speisereste und Tierfutter nicht offen stehen lassen.
  • Mülltonnen verschließen und Kompost weit vom Haus anlegen.
  • Spalten, Risse und Öffnungen im Mauerwerk ab Bleistiftdicke verschließen.
  • Holzstapel und Gerümpel mindestens 30 Zentimeter über dem Boden lagern.
  • Bei Mäusebefall Lebendfallen oder Schlagfallen einsetzen, Köderboxen mit Kindersicherung verwenden.

Beim Reinigen risikobehafteter Bereiche

  • Schuppen, Garagen, Dachböden und Ferienhäuser vor dem Betreten gründlich lüften, mindestens 30 Minuten.
  • Niemals trocken kehren oder mit dem Staubsauger arbeiten, da Aerosole entstehen.
  • Mäusekot und tote Tiere mit Einmalhandschuhen, FFP3-Maske und Schutzbrille entfernen.
  • Befallene Flächen vor dem Wegwischen mit Desinfektionsmittel oder Haushaltsbleiche (1 Teil Bleiche auf 10 Teile Wasser) befeuchten und mindestens 15 Minuten einwirken lassen.
  • Kadaver und kontaminiertes Material in zwei Plastiktüten luftdicht verpacken und im Restmüll entsorgen.
  • Hände, Arme und Gesicht nach der Arbeit gründlich mit Seife waschen, Kleidung bei mindestens 60 Grad waschen.

Bei Reisen und Outdoor-Aktivitäten

  • In Hütten, Zelten und Wohnmobilen Lebensmittel sicher verstauen.
  • Auf Reisen nach Süd- oder Nordamerika auf den Aufenthalt in nagerverseuchten Unterkünften achten.
  • Bei Expeditionsreisen, etwa nach Patagonien oder in die Antarktis, Hygienevorschriften des Veranstalters strikt befolgen.
  • Bei plötzlichem Fieber nach Rückkehr aus Risikogebieten umgehend ärztliche Hilfe suchen und den Reiseaufenthalt erwähnen.

Der MV-Hondius-Fall im Mai 2026

Am 3. Mai 2026 bestätigte die Weltgesundheitsorganisation einen Hantavirus-Ausbruch an Bord des niederländischen Expeditionskreuzfahrtschiffs MV Hondius des Reeders Oceanwide Expeditions BV. Drei Personen sind bisher verstorben, eine weitere liegt in Südafrika auf der Intensivstation. Insgesamt wurden ein laborbestätigter Fall und fünf Verdachtsfälle gemeldet.

Verlauf des Ausbruchs

Die MV Hondius war rund drei Wochen vor dem Ausbruch von Argentinien aus zu einer Expeditionsreise gestartet. Die Route führte über die Antarktis, die Falklandinseln und weitere Stationen in Richtung der spanischen Kanarischen Inseln. An Bord befanden sich etwa 150 Touristen und rund 70 Besatzungsmitglieder. Zum Zeitpunkt der Bekanntgabe lag das Schiff vor der Küste der Kapverden.

Bei zwei der Verstorbenen handelt es sich um ein niederländisches Ehepaar: ein 70-jähriger Mann, der bei Ankunft auf St. Helena bereits tot war, und seine 69-jährige Ehefrau, die am Flughafen Johannesburg auf dem Heimflug in die Niederlande zusammenbrach und in einer Klinik verstarb. Ein britischer Tourist kämpft Berichten zufolge auf der Intensivstation um sein Leben.

Was die Behörden jetzt tun

Die WHO arbeitet eng mit den Gesundheitsbehörden der Niederlande, Südafrikas, des Vereinigten Königreichs und der betroffenen Anrainerstaaten zusammen. Medizinische Evakuierungen wurden zunächst verzögert, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Das Schiff wird gründlich untersucht und desinfiziert, alle Passagiere und Besatzungsmitglieder werden medizinisch überwacht. Da die Reise auch durch südamerikanische Gewässer führte, wird derzeit geprüft, ob es sich um das Andes-Virus handelt, das in Patagonien verbreitet ist und in seltenen Fällen von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.

Für deutsche Reisende, die ähnliche Expeditionsreisen geplant haben, gelten weiterhin keine grundsätzlichen Reisewarnungen. Reiseveranstalter wurden jedoch aufgefordert, Hygieneprotokolle und Schädlingsbekämpfung an Bord zu verschärfen.

Häufig gestellte Fragen zum Hantavirus

Ist das Hantavirus ansteckend von Mensch zu Mensch?

Bei den in Europa und Asien verbreiteten Virustypen ist eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung nicht beschrieben. Lediglich beim südamerikanischen Andes-Virus gibt es vereinzelte Berichte über Übertragungen unter engen Kontaktpersonen. Die Hauptansteckung erfolgt fast immer über infizierte Nagetiere.

Gibt es eine Impfung gegen Hantaviren?

In Deutschland und der EU ist kein Impfstoff zugelassen. In Südkorea und China werden lokale Impfstoffe gegen bestimmte asiatische Virustypen eingesetzt, sie schützen jedoch nicht gegen die in Europa oder Amerika vorkommenden Virusvarianten.

Wie lange ist man nach einer Infektion immun?

Nach einer durchgemachten Infektion besteht in der Regel eine lebenslange Immunität gegen den auslösenden Virustyp. Eine Kreuzimmunität gegen andere Hantavirus-Typen ist allerdings nur eingeschränkt vorhanden, eine erneute Infektion mit einem anderen Typ ist also möglich.

Welche Berufsgruppen sind besonders gefährdet?

Land- und Forstwirte, Waldarbeiter, Bauarbeiter, Soldaten, Schädlingsbekämpfer, Gebäudereiniger und Tierpfleger zählen zu den Risikogruppen. Auch Heimwerker, die ältere Schuppen oder Dachböden renovieren, sollten Schutzmaßnahmen treffen.

In welchen Regionen Deutschlands ist das Risiko am höchsten?

Endemiegebiete in Deutschland sind vor allem die Schwäbische Alb, der Bayerische Wald, das Münsterland, Unterfranken und der Spessart. In Mastjahren der Buche, wenn die Rötelmauspopulation stark ansteigt, kommt es regelmäßig zu Ausbruchswellen.

Wie unterscheide ich eine Hantavirus-Infektion von einer Grippe?

Symptome wie hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen ähneln zunächst einer Grippe. Hinweise auf eine Hantavirus-Infektion sind starke Rückenschmerzen, vermindertes Wasserlassen, Sehstörungen und ein voraufgegangener Kontakt mit Nagetieren oder deren Hinterlassenschaften. Ein Bluttest beim Arzt schafft Klarheit.

Was muss ich tun, wenn ich Mäusekot in meinem Haus finde?

Den Bereich vor dem Reinigen mindestens 30 Minuten lüften. Schutzhandschuhe, FFP3-Maske und Schutzbrille tragen, den Kot mit Desinfektionsmittel oder Bleiche befeuchten, einwirken lassen und mit Einwegtüchern aufnehmen. Anschließend luftdicht verpacken und im Restmüll entsorgen, danach gründlich Hände waschen.

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