Australische und neuseeländische Truppen im Krieg: ANZAC und ihre Einsätze

Sophie Eldridge

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Wie unterstützten australische und neuseeländische Truppen im Krieg?
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Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2026

Australien und Neuseeland haben seit dem frühen 20. Jahrhundert an zahlreichen bewaffneten Konflikten teilgenommen – zunächst als Teil des Britischen Empires, später als eigenständige Nationen im Rahmen von Bündnissen und internationalen Friedensmissionen. Ihre gemeinsamen Streitkräfte, bekannt unter dem Kürzel ANZAC (Australian and New Zealand Army Corps), haben dabei eine unverwechselbare militärische Identität geprägt, die bis heute tief in der nationalen Erinnerungskultur beider Länder verankert ist.

Wie unterstützten australische und neuseeländische Truppen im Krieg?

Die ANZAC-Formation: Entstehung und Bedeutung

Das Australian and New Zealand Army Corps wurde im Dezember 1914 in Ägypten aufgestellt, nachdem beide Länder kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs dem Vereinigten Königreich den Rücken stärkten. Das Korps stand zunächst unter dem Befehl der britischen Mediterranean Expeditionary Force. Die Abkürzung ANZAC ist seither nicht nur ein militärisches Kürzel, sondern ein Symbol für Mut, Zusammenhalt und nationales Opfer. Der 25. April, der sogenannte ANZAC Day, ist in beiden Ländern ein nationaler Gedenktag.

Erster Weltkrieg (1914–1918)

Gallipoli – die prägende Niederlage

Die bekannteste und folgenreichste Operation der ANZAC-Truppen war die Gallipoli-Kampagne von 1915. Am 25. April landeten australische, neuseeländische und weitere alliierte Verbände an der türkischen Halbinsel Gallipoli, um den Osmanen die Kontrolle über die Dardanellen zu entreißen und so Russland den Seeweg zum Schwarzen Meer zu öffnen. Die Landung scheiterte: Osmanische Verteidiger unter Mustafa Kemal hielten die Stellungen, und die alliierten Truppen konnten sich nur in einem schmalen Küstenstreifen eingraben. Nach acht Monaten verlustreicher Kämpfe wurde die Halbinsel im Dezember 1915 geräumt. Trotz des militärischen Misserfolgs gilt Gallipoli als Geburtsstunde des australischen und neuseeländischen Nationalbewusstseins.

Westfront und Naher Osten

Nach Gallipoli verlagerte sich der Schwerpunkt beider Nationen auf die Westfront in Frankreich und Belgien. Mehr als 416.000 Australier kämpften insgesamt im Ersten Weltkrieg, davon rund 313.000 an der Westfront. Neuseeland stellte etwa 128.000 Soldaten, von denen über 90.000 zwischen 1914 und 1918 in Frankreich und Belgien eingesetzt waren. Bei der Schlacht von Pozières (Juli/August 1916) erkämpften australische Divisionen deutsche Stellungen; in 45 Tagen fielen dabei allein 23.000 australische Soldaten. Die Verluste beider Länder im Ersten Weltkrieg beliefen sich auf insgesamt rund 60.000 Tote – Australien erlitt gemessen an seiner Bevölkerungsgröße eine der höchsten Verlustzahlen aller Staaten des Britischen Empires.

Zweiter Weltkrieg (1939–1945)

Nordafrika, Griechenland und Kreta

Australien und Neuseeland erklärten Deutschland am 3. September 1939 den Krieg. Australische Verbände kämpften ab 1940 in Nordafrika und beteiligten sich maßgeblich an der legendären Belagerung von Tobruk (1941), wo australische Infanterie Rommel wochenlang in Schach hielt. Neuseeländische Truppen – die sogenannte Second New Zealand Expeditionary Force – landeten 1940 in Ägypten und waren in Griechenland, auf Kreta und in Italien im Einsatz. Die Neuseeländer kämpften unter General Bernard Freyberg bei den Schlachten von El Alamein und galten als eine der schlagkräftigsten Commonwealth-Divisionen.

Pazifikkrieg

Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 veränderte sich die Lage fundamental. Australien sah sich plötzlich direkt bedroht: Im Februar 1942 bombardierte Japan Darwin – der erste feindliche Angriff auf australischen Boden. Die australischen Streitkräfte wurden aus Nordafrika abgezogen (rund 61.000 Mann) und in den Pazifik verlegt. Zwischen 1942 und Anfang 1944 stellten australische Verbände das größte alliierte Truppenkontingent im Pazifik und kämpften auf Neuguinea, in Borneo und auf zahlreichen Pazifikinseln. Die Royal New Zealand Air Force (RNZAF) wuchs bis 1945 auf über 41.000 Angehörige an; mehr als 10.000 Besatzungsmitglieder dienten in Europa und Afrika an der Seite der britischen RAF.

Koreakrieg (1950–1953)

Australien war eine der ersten westlichen Nationen, die auf den nordkoreanischen Angriff reagierten. Einheiten der Royal Australian Air Force (RAAF) – insbesondere das No. 77 Squadron mit North-American-Mustang-Jägern – gehörten zu den ersten UN-Luftkräften überhaupt, die in Korea Boden- und Luftkampfeinsätze flogen. Insgesamt wurden über 17.000 australische Soldaten in den Koreakrieg entsandt. Neuseeland beteiligte sich ebenfalls mit Infanterieeinheiten und Artillerie als Teil der Commonwealth-Division.

Vietnamkrieg (1962–1972)

Im Rahmen der SEATO-Bündnisverpflichtungen und der eigenen Sicherheitsdoktrin entsandten beide Länder Truppen nach Südvietnam. Knapp 50.000 australische Soldaten kämpften zwischen 1962 und 1972 an der Seite der USA; über 500 kamen ums Leben, fast 2.400 wurden verwundet. Neuseeland schickte mehrere tausend Soldaten, darunter Artillerie- und Infanterieeinheiten. Die Beteiligung beider Länder am Vietnamkrieg war innenpolitisch umstritten und löste – ähnlich wie in den USA – eine starke Antikriegsbewegung aus.

Moderne Einsätze: Golf, Afghanistan, Irak und UN-Missionen

Nach dem Ende des Kalten Krieges engagierten sich Australien und Neuseeland verstärkt in multilateralen Einsätzen. Australien entsandte Truppen in den Zweiten Golfkrieg 1991, beteiligte sich an der UN-geführten Mission in Osttimor (ab 1999, wo Australien die Führungsrolle übernahm) und schickte nach den Anschlägen vom 11. September 2001 Soldaten nach Afghanistan – insgesamt mehr als 26.000 Militärangehörige im Laufe des gesamten Einsatzes. Im Rahmen der US-geführten Koalition im Irak ab 2003 waren rund 17.000 Australier beteiligt. Neuseeland fokussierte sich stärker auf Wiederaufbauteams (Provincial Reconstruction Teams) in Afghanistan und blieb dem Irakkrieg 2003 hingegen fern.

Seit 1947 hat Australien insgesamt mehr als 65.000 Soldaten und zivile Mitarbeiter für über 50 UN- und andere multilaterale Friedens- und Sicherheitseinsätze bereitgestellt. Neuseeland ist ebenfalls regelmäßig in UN-Blauhelmmissionen, Katastrophenschutzeinsätzen im Pazifik und NATO-Partnerschaftsmissionen vertreten.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet ANZAC?

ANZAC steht für Australian and New Zealand Army Corps, das im Dezember 1914 in Ägypten gegründete gemeinsame Armeekorps Australiens und Neuseelands. Das Kürzel ist heute ein Symbol für die Kriegsveteranen und das militärische Erbe beider Nationen.

Warum ist der 25. April in Australien und Neuseeland ein Feiertag?

Der 25. April ist der ANZAC Day, ein nationaler Gedenktag. An diesem Tag im Jahr 1915 landeten australische und neuseeländische Truppen erstmals in großer Zahl im Kampfeinsatz – an der Küste von Gallipoli in der heutigen Türkei. Obwohl die Operation militärisch scheiterte, gilt sie als Geburtsstunde des nationalen Selbstverständnisses beider Länder.

Wie viele Australier und Neuseeländer starben im Ersten Weltkrieg?

Im Ersten Weltkrieg fielen insgesamt rund 60.000 australische und neuseeländische Soldaten. Australien verlor dabei über 60.000 Mann, Neuseeland über 18.000 – gemessen an der Bevölkerungsgröße gehörte das zu den höchsten Verlustraten des gesamten Britischen Empires.

Haben Australien und Neuseeland am Zweiten Weltkrieg teilgenommen?

Ja. Beide Länder erklärten 1939 Deutschland den Krieg und kämpften in Nordafrika, Griechenland, Kreta, Italien sowie im Pazifik. Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor und die Bombardierung Darwins 1942 rückte der Pazifikkrieg ins Zentrum des australischen Einsatzes.

Sind australische und neuseeländische Truppen auch heute noch im Auslandseinsatz?

Ja. Beide Nationen beteiligen sich an multilateralen Friedensmissionen der Vereinten Nationen, an NATO-Partnerschaftseinsätzen und regionalen Sicherheitsoperationen im Indopazifik. Australien hat seit 1947 über 65.000 Soldaten und Zivilisten in mehr als 50 internationale Einsätze entsandt.

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