Eine Ohrenentzündung zählt zu den häufigsten Beschwerden, die Arztpraxen täglich erreichen – bei Kindern sogar zur häufigsten Infektionskrankheit überhaupt. Wer die typischen Symptome kennt, kann frühzeitig handeln und ernsthafte Komplikationen vermeiden. Doch nicht jede Ohrenentzündung ist gleich: Je nach betroffener Ohrregion unterscheiden sich die Anzeichen zum Teil erheblich. Dieser Artikel erklärt, welche Formen es gibt, woran man sie erkennt und wann ein Arztbesuch dringend notwendig ist.
Welche Arten von Ohrenentzündungen gibt es?
Medizinisch unterscheidet man drei Hauptformen, die jeweils unterschiedliche Teile des Ohrs betreffen:
- Otitis externa – Entzündung des äußeren Gehörgangs
- Otitis media – Entzündung des Mittelohrs (hinter dem Trommelfell)
- Otitis interna – Entzündung des Innenohrs (selten, aber ernst)
Die weitaus häufigsten Formen sind Otitis externa und Otitis media. Ihre Symptome überschneiden sich teilweise, haben jedoch charakteristische Unterschiede, die eine erste Einordnung erlauben.
Symptome einer Gehörgangsentzündung (Otitis externa)
Die Gehörgangsentzündung betrifft den äußeren, sichtbaren Teil des Ohrs bis zum Trommelfell. Sie wird häufig durch Bakterien ausgelöst und tritt besonders oft nach längerem Wasserkontakt auf – weshalb sie umgangssprachlich auch als „Schwimmer- oder Taucherotitis“ bekannt ist. Wattestäbchen, die die empfindliche Haut im Gehörgang verletzen, sind eine weitere häufige Ursache.
Typische Anzeichen
- Starker Juckreiz im Gehörgang – oft das erste Symptom, das dem Schmerz vorausgeht
- Brennende, heftige Ohrenschmerzen – häufig stärker als bei einer Mittelohrentzündung
- Schmerzen beim Ziehen an der Ohrmuschel oder beim Druck auf den Tragus (den kleinen Knorpelvorsprung vor dem Gehörgang) – ein klassisches Erkennungsmerkmal dieser Form
- Rötung und Schwellung der Gehörgangswände
- Ausfluss aus dem Ohr (Sekret, teils eitrig oder blutig)
- Leichte Hörminderung durch Schwellung oder Sekret im Kanal
Ein einfacher Selbsttest: Schmerzt das Ohr deutlich, wenn man sanft an der Ohrmuschel zieht oder auf den Tragus drückt, deutet dies stark auf eine Gehörgangsentzündung hin. Bei einer Mittelohrentzündung ist dieser Druckschmerz in der Regel nicht vorhanden.
Symptome einer Mittelohrentzündung (Otitis media)
Die Mittelohrentzündung ist die häufigste Ohrenentzündung – besonders bei Kindern unter sechs Jahren. Sie entsteht meist als Folgeerkrankung nach Erkältungen oder Atemwegsinfekten, wenn Bakterien oder Viren über die Eustachische Röhre (die Verbindung zwischen Rachen und Mittelohr) aufsteigen.
Symptome bei Erwachsenen
- Starke, pulsierende Ohrenschmerzen, die plötzlich auftreten können
- Druckgefühl oder Völlegefühl im Ohr
- Hörminderung auf dem betroffenen Ohr
- Fieber, teils über 39 °C
- Allgemeines Krankheitsgefühl, Müdigkeit
- Plötzlicher Sekretaustritt aus dem Ohr – dies kann auf einen Riss des Trommelfells hinweisen, geht aber häufig mit einer sofortigen Schmerzlinderung einher
Symptome bei Säuglingen und Kleinkindern
Da kleine Kinder ihre Beschwerden nicht verbalisieren können, zeigen sich die Anzeichen einer Mittelohrentzündung anders und erfordern besondere Aufmerksamkeit der Eltern:
- Anhaltendes, untröstliches Weinen und Quengeln, besonders nachts
- Häufiges Greifen ans Ohr oder Kopfschütteln
- Schlafstörungen und gesteigerter Weindrang beim Liegen (Druck im Ohr verstärkt sich)
- Fieber, oft verbunden mit allgemeinem Unwohlsein
- Trinkschwäche – Schlucken und Saugen können den Druck im Ohr verschlimmern
- Gleichgewichtsstörungen oder Koordinationsprobleme
- Sekretaustritt aus dem Ohr
Reagiert ein Kind nach einem Atemwegsinfekt auffällig gereizt, schläft schlecht und fasst sich häufig ans Ohr, sollte zeitnah ein Kinderarzt aufgesucht werden.
Symptome einer Innenohrentzündung (Otitis interna)
Die Innenohrentzündung ist selten, aber medizinisch ernst zu nehmen. Sie entsteht meist als Komplikation einer unbehandelten Mittelohrentzündung oder durch Viren.
- Plötzlicher, starker Schwindel (Drehschwindel)
- Übelkeit und Erbrechen
- Deutliche Hörminderung oder plötzliche Taubheit
- Ohrgeräusche (Tinnitus)
Diese Symptome erfordern eine sofortige ärztliche Untersuchung.
Wann sofort zum Arzt?
Nicht jede leichte Ohrenentzündung verlangt sofortige ärztliche Behandlung – viele Fälle klingen innerhalb weniger Tage von selbst ab. Bestimmte Warnsignale sollten jedoch ernst genommen werden:
- Hohes Fieber über 39 °C, das nicht sinkt
- Schmerzen, die nach 48 bis 72 Stunden nicht nachlassen oder sich verschlimmern
- Starker Sekret- oder Eiterfluss aus dem Ohr
- Plötzlicher Hörverlust oder starker Schwindel
- Schwellung hinter dem Ohr oder sichtbare Rötung des Warzenfortsatzes (Hinweis auf Mastoiditis)
- Lähmungserscheinungen im Gesicht
- Symptome bei Säuglingen unter sechs Monaten
Insbesondere bei Kindern unter zwei Jahren empfehlen Fachgesellschaften eine frühzeitige ärztliche Abklärung, da Komplikationen in diesem Alter wahrscheinlicher sind.
Häufig gestellte Fragen
Wie unterscheide ich eine Gehörgangsentzündung von einer Mittelohrentzündung?
Der zuverlässigste Unterschied: Bei einer Gehörgangsentzündung (Otitis externa) schmerzt das Ohr deutlich, wenn man an der Ohrmuschel zieht oder auf den Tragus (den kleinen Knorpel vor dem Gehörgang) drückt. Bei einer Mittelohrentzündung (Otitis media) fehlt dieser Druckschmerz in der Regel. Zudem geht die Mittelohrentzündung häufiger mit Fieber und einem vorangegangenen Atemwegsinfekt einher.
Kann eine Ohrenentzündung von alleine heilen?
Leichte Mittelohrentzündungen klingen bei Kindern ab zwei Jahren und Erwachsenen häufig innerhalb von zwei bis drei Tagen ohne Antibiotika ab. Ärzte empfehlen in diesem Fall zunächst abwartende Beobachtung mit schmerzlindernden Maßnahmen. Bessern sich die Symptome nicht oder verschlimmern sie sich, ist eine medikamentöse Behandlung notwendig.
Welche Symptome deutet auf eine ernste Komplikation hin?
Warnzeichen für eine ernste Komplikation sind plötzlicher Hörverlust, starker Drehschwindel, Schwellung hinter dem Ohr, Gesichtslähmungen oder hohes Fieber, das trotz Behandlung nicht sinkt. In diesen Fällen sollte sofort ein Arzt oder eine Notaufnahme aufgesucht werden.
Warum sind Kinder häufiger von Mittelohrentzündungen betroffen?
Bei Kleinkindern ist die Eustachische Röhre, die das Mittelohr mit dem Rachen verbindet, kürzer und horizontaler ausgerichtet als bei Erwachsenen. Dadurch können Krankheitserreger bei Atemwegsinfekten leichter ins Mittelohr gelangen. Mit zunehmendem Alter verändert sich die Anatomie, was die Anfälligkeit deutlich reduziert.
Sind Wattestäbchen eine häufige Ursache für Ohrenentzündungen?
Ja. Wattestäbchen können die empfindliche Haut des Gehörgangs verletzen und so Bakterien eine Eintrittspforte bieten. Zudem schieben sie den natürlichen Ohrenschmalz tiefer in den Gehörgang, anstatt ihn zu entfernen. HNO-Ärzte raten generell davon ab, Wattestäbchen zur Ohrenreinigung zu verwenden.
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