Mastabas gehören zu den ältesten Grabbauten der Menschheitsgeschichte und bilden das architektonische Fundament, auf dem die berühmten ägyptischen Pyramiden entstanden. Wer versteht, wie eine Mastaba aufgebaut war und welche religiöse Funktion sie erfüllte, erkennt zugleich, warum die Ägypter über Jahrhunderte immer imposantere Grabmäler für ihre Könige errichteten. Der Vergleich zwischen Mastaba und Pyramide zeigt dabei nicht nur bautechnische Unterschiede, sondern spiegelt auch den religiösen und gesellschaftlichen Wandel des Alten Ägypten wider.

Was ist eine Mastaba? Herkunft und Bedeutung des Begriffs
Das Wort Mastaba stammt aus dem Arabischen und bedeutet so viel wie „Bank“ oder „Sitzbank“. Arabische Arbeiter, die im 19. Jahrhundert an ägyptischen Ausgrabungsstätten beschäftigt waren, verwendeten diesen Begriff, weil die flachen, rechteckigen Grabbauten aus der Ferne an die niedrigen Lehmziegelbänke erinnerten, die vor ägyptischen Häusern standen. Der Name blieb bis heute in der Ägyptologie erhalten.
Mastabas wurden ab der 1. Dynastie, also etwa ab 3000 vor Christus, als Grabstätten für Könige und hochrangige Beamte errichtet. Die frühesten Exemplare bestanden aus Lehmziegeln; später, während des Alten Reichs, wurden sie zunehmend aus Kalkstein gebaut. Über Jahrhunderte blieben Mastabas die bevorzugte Grabform für Adelige und Würdenträger, selbst als Pyramiden die königliche Bestattungskultur längst dominierten.
Äußerlich wirkt eine Mastaba schlicht: ein niedriger, rechteckiger Block mit leicht nach innen geneigten Wänden und einem flachen Dach. Die Abmessungen variierten erheblich, von kleinen Anlagen mit wenigen Metern Seitenlänge bis hin zu mächtigen Komplexen, die mehrere Räume und aufwendige Bildprogramme enthielten.
Aufbau einer Mastaba: Oberbau, Schacht und unterirdische Kammer
Eine Mastaba besteht aus zwei grundlegenden Bereichen: dem sichtbaren Oberbau und dem unterirdischen Bereich mit dem eigentlichen Grab. Diese Zweiteilung war kein Zufall, sondern folgte der religiösen Vorstellung, dass der Verstorbene nach dem Tod zwei Welten angehörte – der irdischen und der göttlichen.
Der Oberbau: Kultkapelle und Scheintür
Der Oberbau diente den Lebenden als Ort der Totenverehrung. In seinem Inneren befand sich eine Kultkapelle, in der Angehörige regelmäßig Speisen, Getränke und andere Opfergaben niederlegen konnten. Die Ägypter glaubten, dass der Verstorbene diese Gaben im Jenseits empfing und so mit lebensnotwendiger Energie versorgt wurde.
An der Ostwand des Oberbaus war häufig eine sogenannte Scheintür angebracht – eine flache, türartige Nische aus Stein, die keinen echten Durchgang bildete, sondern symbolisch den Übergang zwischen Diesseits und Jenseits markierte. Durch die Scheintür, so glaubten die Ägypter, konnte der Geist des Verstorbenen ein- und ausgehen, um an den Opfergaben teilzunehmen. Viele erhaltene Scheintüren tragen Inschriften mit dem Namen und den Titeln des Grabherrn sowie Gebete um Nahrung und Wohlbefinden im Jenseits.
Der Serdab: Haus der Ka-Statue
Einige Mastabas verfügten über einen Serdab – einen kleinen, vollständig zugemauerten Raum innerhalb des Oberbaus. In diesem Raum stand die Ka-Statue des Verstorbenen, eine lebensgetreue Bildnisskulptur aus Holz oder Stein. Die Ka-Statue galt als „Ersatzkörper“ für den Fall, dass die Mumie zerstört werden sollte. Durch eine kleine Öffnung in der Mauer – manchmal in Augenhöhe der Statue angebracht – konnte der Ka des Verstorbenen nach außen blicken und am Kultleben teilnehmen, ohne selbst greifbar zu sein.
Berühmte Beispiele sind die Mastaba des Ti in Sakkara, die mit meisterhaften Reliefdarstellungen des täglichen Lebens ausgestattet ist, sowie die Mastaba des Hesire, die zu den ältesten erhaltenen Holzreliefs des Alten Ägypten zählt.
Schacht und Grabkammer
Vom Dach des Oberbaus oder von der Seite führte ein tiefer Schacht, oft mehr als 15 Meter tief, senkrecht in die unterirdische Grabkammer. Dort wurde der Sarkophag mit der Mumie des Verstorbenen, umgeben von Grabbeigaben wie Keramik, Schmuck, Werkzeugen und Lebensmitteln, aufgestellt. Nach der Bestattung wurde der Schacht mit Schutt und Sand aufgefüllt, um unbefugten Zugang zu verhindern. Der unterirdische Bereich war dauerhaft versiegelt und nicht für die Lebenden gedacht.
Die Entwicklung von der Mastaba zur Pyramide
Der Schritt von der Mastaba zur Pyramide vollzog sich nicht sprunghaft, sondern war das Ergebnis einer schrittweisen Entwicklung. Den entscheidenden Impuls gab Pharao Djoser zu Beginn des Alten Reichs, etwa 2650 vor Christus. Sein Architekt Imhotep errichtete in Sakkara die erste Stufenpyramide der Geschichte, indem er mehrere Mastabas in Form von Stufen übereinanderstapelte. Jede Stufe war kleiner als die darunter, sodass eine sechs Stufen hohe Pyramide von rund 62 Metern entstand.
Die Stufenpyramide des Djoser markiert damit das fehlende Glied zwischen Mastaba und Pyramide: Sie ist im Kern nichts anderes als eine gestapelte Mastaba-Konstruktion. In den folgenden Jahrzehnten wurden die Stufen mit einer glatten Verkleidung versehen, was zur klassischen geometrischen Pyramidenform führte, wie sie die Großen Pyramiden von Gizeh aus dem 26. Jahrhundert vor Christus verkörpern.
Warum wurden Pyramiden für Könige bevorzugt?
Die Pyramidenform hatte für die ägyptischen Könige eine tiefe religiöse Bedeutung. Nach der Sonnengott-Theologie des Alten Reichs sollte der verstorbene Pharao auf den Sonnenstrahlen, symbolisiert durch die schrägen Seiten der Pyramide, zum Himmel aufsteigen und mit dem Sonnengott Re vereint werden. Eine Pyramide war also nicht nur ein Grab, sondern ein religiöses Monument, das den König dauerhaft in den göttlichen Kosmos einband.
Hinzu kam die politische Signalwirkung: Je größer und sichtbarer das Grabmonument, desto deutlicher manifestierte sich die Macht des Pharaos für alle Zeit. Die Mastaba dagegen, so beeindruckend manche Exemplare auch waren, blieb ein vergleichsweise unauffälliger Bau ohne die monumentale Wirkung, die ein König beanspruchte.
Wer wurde in Mastabas begraben?
Mastabas waren ursprünglich für die königliche Familie und die höchste Beamtenschaft reserviert. In den Nekropolen von Sakkara und Gizeh stehen Hunderte von Mastabas, die zu den Grabanlagen der jeweiligen Könige gehörten. Die Gräber hochrangiger Beamter, Minister und Priester lagen oft in unmittelbarer Nähe zur Pyramide des Pharaos, dem sie zu Lebzeiten gedient hatten. Diese räumliche Nähe war gewollt: Man hoffte, auch im Jenseits in der Nähe des vergöttlichten Königs zu verweilen.
Selbst als die Pyramide zur exklusiven Grabform des Königs wurde, blieben Mastabas für den Adel in Gebrauch. Noch im Mittleren und Neuen Reich wurden vereinzelt Mastabas errichtet, obwohl Felsgräber in dieser Zeit die bevorzugte Grabform der Oberschicht wurden. Letztlich war die Mastaba nie vollständig aus der ägyptischen Bestattungskultur verschwunden.
Architektonische Unterschiede: Mastaba vs. Pyramide auf einen Blick
Der grundlegendste Unterschied liegt in der äußeren Form: Eine Mastaba ist ein flacher, rechteckiger Baukörper mit schrägen Seiten und flachem Dach; eine Pyramide ist ein spitz zulaufender Bau mit dreieckigen Seitenflächen und einer Spitze. Beide Formen hatten denselben Zweck – das Grab zu schützen und den Totenkult zu ermöglichen – aber sie taten dies auf grundlegend verschiedene Weise.
- Form: Mastaba flach-rechteckig, Pyramide spitz zulaufend mit quadratischer Basis
- Höhe: Mastabas selten über 10 Meter; Pyramiden bis zu 146 Meter (Cheops)
- Benutzer: Mastabas für Adel und Beamte; Pyramiden ausschließlich für Pharaonen
- Zeitraum: Mastabas ab der 1. Dynastie (3000 v. Chr.); Pyramiden ab der 3. Dynastie (2650 v. Chr.)
- Baumaterial: Mastabas zunächst Lehmziegel, später Kalkstein; Pyramiden fast ausschließlich Kalkstein, zum Teil Granit
- Innenstruktur: Mastabas mit Kultkapelle, Serdab und Grabschacht; Pyramiden mit langen Gängen, Vorkammern und Königskammer
- Religiöse Funktion: Ähnlich, aber die Pyramide mit stärkerem Bezug zur Sonnenreligion und zum Aufstieg des Pharaos
Ein weiterer wichtiger Unterschied betrifft die Zugänglichkeit: Die Kultkapelle einer Mastaba war für Besucher und Priester zugänglich, um Opfer darzubringen. In einer Pyramide war der gesamte Innenraum nach der Bestattung versiegelt; der Totenkult fand in einem angegliederten Totentempel statt, der an der Ostseite der Pyramide lag und durch einen langen Aufweg mit dem Tal verbunden war.
Religion und Jenseitsvorstellungen: Was der Bau einer Mastaba bedeutete
Das Grab war für die alten Ägypter kein Ort der Trauer, sondern ein Ort des Übergangs und der ewigen Versorgung. Die Mastaba diente als „Haus der Ewigkeit“ (per-djet), in dem der Verstorbene weiterexistieren konnte, wenn die notwendigen Bedingungen erfüllt waren. Drei Voraussetzungen galten als unerlässlich: die Erhaltung des Körpers durch Mumifizierung, die regelmäßige Versorgung mit Opfergaben und die Bewahrung des Namens des Verstorbenen.
Der Ka – die Lebenskraft oder Doppelgängerseele des Menschen – blieb nach dem Tod an den Körper gebunden und benötigte daher einen intakten physischen Aufenthaltsort. Die Mumie erfüllte diese Funktion primär; die Ka-Statue im Serdab war die sekundäre Sicherung. Der Ba – eine andere Seele, die freier reisen konnte und oft als Vogel mit Menschenkopf dargestellt wurde – verließ tagsüber das Grab und kehrte nachts zurück. Diese komplexe Vorstellung von Seele und Körper erklärt die aufwendige Zweiteilung der Mastaba: Der Oberbau war der Raum des Kults und des Ba, der Unterbau der Ort des Ka und der Mumie.
Opferlisten, die an den Wänden der Kultkapelle angebracht wurden, spezifizierten genau, welche Speisen und Getränke dem Verstorbenen täglich zustanden. Im Idealfall unterhalten Priester, die durch Stiftungen des Grabherrn zu Lebzeiten verpflichtet worden waren, diesen Kult über Generationen. In der Praxis wurde der Kult oft schon nach wenigen Generationen aufgegeben – was erklärt, warum viele Mastabas später von anderen Personen usurpiert oder für neue Bestattungen genutzt wurden.
Mastabas in Sakkara und Gizeh: Die großen Nekropolen
Die bedeutendsten Mastaba-Nekropolen liegen in Sakkara und Gizeh, den Hauptfriedhöfen des Alten Reichs nahe der damaligen Hauptstadt Memphis. In Sakkara, dem größten Friedhof des Alten Ägypten, stehen Hunderte von Mastabas aus einem Zeitraum von mehr als tausend Jahren. Die ältesten stammen aus der Frühzeit, die jüngsten aus dem Mittleren Reich.
Die Mastaba des Ti in Sakkara, erbaut unter der 5. Dynastie, gilt als eine der am besten erhaltenen Privatgräber Ägyptens. Ihre Wände sind mit detaillierten Reliefs geschmückt, die Szenen aus dem alltäglichen Leben zeigen – Ernte, Jagd, Fischfang, Handwerk und Schifffahrt. Damit sind diese Reliefs eine unschätzbare Quelle für die Alltagsgeschichte des Alten Reichs. Die Mastaba des Hesire, ebenfalls in Sakkara, enthält einige der ältesten Holzreliefs Ägyptens und zeigt den Grabherrn in verschiedenen Lebensaltern und Berufsrollen.
In Gizeh, unmittelbar neben den Großen Pyramiden, ordnen sich die Mastabas der königlichen Beamten in geradezu stadtplanerischer Ordnung an – in Reihen, die den Pyramiden der Pharaonen Cheops, Chefren und Mykerinos zugeordnet sind. Die Mastaba der Chentkaus I. in Gizeh ist eine Besonderheit, weil ihre Form eine Zwischenstellung zwischen Mastaba und Stufenpyramide einnimmt. Sie demonstriert anschaulich, wie fließend der Übergang zwischen beiden Bautypen war und wie Grabarchitektur experimentiert und variiert wurde.
Aktuelle archäologische Arbeiten in Sakkara, zuletzt 2022 und 2023 bekannt geworden, haben weitere Mastabas und verbundene Funde zu Tage gefördert, darunter gut erhaltene Mumien, Holzstatuen und Papyri. Diese Entdeckungen zeigen, dass die Nekropole noch lange nicht vollständig erschlossen ist und das Bild des Alten Ägypten weiter differenziert wird. Besonders bemerkenswert war der Fund mehrerer vollständig erhaltener Holzsärge aus der Spätzeit, die in Schächten nahe älteren Mastabas deponiert worden waren – ein Beleg dafür, dass die alten Grabstätten auch Jahrhunderte nach ihrer Entstehung als heilige Orte galten.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet das Wort Mastaba?
Das Wort Mastaba kommt aus dem Arabischen und bedeutet „Bank“ oder „Sitzbank“. Der Name wurde von arabischen Arbeitern vergeben, die die flachen, rechteckigen Grabbauten mit den niedrigen Lehmziegelbänken vor ägyptischen Häusern verglichen. In der Ägyptologie hat sich dieser Begriff bis heute als Fachbegriff erhalten.
Wann wurden Mastabas gebaut?
Die ersten Mastabas entstanden während der 1. Dynastie, also um 3000 vor Christus. Sie blieben über viele Jahrhunderte in Gebrauch – als Grabform für Adel und Beamte auch dann noch, als Pyramiden längst die bevorzugte Grablege der Pharaonen waren. Vereinzelt wurden Mastabas noch im Mittleren Reich errichtet.
Wie unterscheidet sich eine Mastaba von einer Pyramide?
Der auffälligste Unterschied ist die Form: Die Mastaba ist flach und rechteckig mit geneigten Wänden, die Pyramide spitz zulaufend mit dreieckigen Seitenflächen. Mastabas waren für Adelige und hohe Beamte gedacht, Pyramiden ausschließlich für Pharaonen. Außerdem hatten Mastabas eine zugängliche Kultkapelle für den Totenkult, während Pyramiden nach der Bestattung vollständig versiegelt wurden.
Was ist ein Serdab in einer Mastaba?
Ein Serdab ist ein kleiner, vollständig zugemauerter Raum innerhalb des Mastaba-Oberbaus, in dem die Ka-Statue des Verstorbenen aufbewahrt wurde. Diese Statue diente als „Ersatzkörper“ und sollte dem Verstorbenen ermöglichen, auch bei Zerstörung der Mumie weiterhin am Totenkult teilzunehmen. Oft war eine kleine Öffnung vorhanden, durch die der Ka nach außen schauen konnte.
Welche berühmten Mastabas gibt es?
Zu den bekanntesten Mastabas zählen die Mastaba des Ti und die Mastaba des Hesire, beide in Sakkara. Ebenfalls bedeutend ist die Mastaba der Chentkaus I. in Gizeh. Diese Bauten sind für die Forschung besonders wertvoll, weil sie aufwendige Reliefs und gut erhaltene Grabausstattungen besitzen, die Einblicke in das Alltagsleben und die religiösen Vorstellungen des Alten Reichs geben.
Ist die Stufenpyramide des Djoser eine Mastaba?
Die Stufenpyramide des Djoser in Sakkara ist streng genommen keine Mastaba, aber sie entstand aus übereinandergestapelten Mastaba-Stufen. Architekt Imhotep stapelte zunächst eine Mastaba auf eine andere, bis eine sechsstufige Pyramide entstand. Sie gilt deshalb als das architektonische Bindeglied zwischen der klassischen Mastaba und der späteren Glattflächenpyramide.
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