Hohe weiße Blutkörperchen: Ursachen, Werte & Bedeutung

Sophie Eldridge

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Was bedeutet eine hohe Anzahl weißer Blutkörperchen?
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Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2026

Wer sein Blutbild auswerten lässt und dabei eine erhöhte Zahl weißer Blutkörperchen feststellt, ist häufig verunsichert. Was bedeutet dieser Befund? Ist er gefährlich? Die Antwort hängt von der Ursache ab – denn eine erhöhte Leukozytenzahl ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Hinweiszeichen des Körpers, das sehr unterschiedliche Auslöser haben kann – von harmlosen Infekten bis hin zu ernsteren Erkrankungen des Blutes.

Was bedeutet eine hohe Anzahl weißer Blutkörperchen?

Was sind weiße Blutkörperchen?

Weiße Blutkörperchen, medizinisch Leukozyten genannt, sind ein zentraler Bestandteil des menschlichen Immunsystems. Sie werden im Knochenmark gebildet, zirkulieren im Blut und in den Lymphgefäßen und haben die Aufgabe, den Körper gegen Krankheitserreger, Fremdstoffe und krankhaft veränderte Zellen zu verteidigen. Im Unterschied zu den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) transportieren Leukozyten keinen Sauerstoff – sie sind ausschließlich für die Immunabwehr zuständig.

Leukozyten sind keine einheitliche Zellart, sondern eine Gruppe verschiedener Zelltypen:

  • Neutrophile Granulozyten – die häufigste Untergruppe, bekämpfen vor allem Bakterien
  • Lymphozyten – zuständig für die spezifische Immunabwehr (B- und T-Zellen)
  • Monozyten – phagozytieren (fressen) Erreger und tote Zellen
  • Eosinophile Granulozyten – reagieren auf Allergien und Parasitenbefall
  • Basophile Granulozyten – beteiligt an allergischen Reaktionen

Normalwert und Grenzwert

Bei gesunden Erwachsenen liegt die Anzahl der Leukozyten im Blut zwischen 4.000 und 10.000 Zellen pro Mikroliter (µl). Manche Laboratorien geben den oberen Grenzwert auch mit 11.000 Zellen pro µl an. Werte, die dauerhaft über diesem Bereich liegen, bezeichnen Mediziner als Leukozytose. Je nach Ausmaß unterscheidet man:

  • Leichte Leukozytose: 11.000–20.000 Zellen/µl – häufig durch Infekte oder Stress ausgelöst
  • Mäßige Leukozytose: 20.000–50.000 Zellen/µl – erfordert genauere Abklärung
  • Ausgeprägte Leukozytose: über 50.000 Zellen/µl – kann auf eine hämatologische Erkrankung hinweisen

Für Kinder gelten andere Referenzbereiche: Neugeborene haben naturgemäß deutlich höhere Leukozytenwerte (bis zu 30.000/µl), die sich in den ersten Lebensjahren normalisieren.

Häufige Ursachen erhöhter Leukozytenzahlen

Die Ursachen einer Leukozytose sind vielfältig und reichen von vollkommen harmlosen bis hin zu behandlungsbedürftigen Zuständen.

Infektionen

Die häufigste Ursache einer erhöhten Leukozytenzahl ist eine akute Infektion. Das Immunsystem schüttet vermehrt weiße Blutkörperchen aus, um Erreger zu bekämpfen. Vor allem bakterielle Infektionen führen zu einem deutlichen Anstieg der Neutrophilen. Aber auch virale, pilzbedingte oder parasitäre Infektionen können Leukozytosen auslösen – mit je nach Erreger unterschiedlichem Muster in der Differenzialzählung.

Entzündliche und autoimmune Erkrankungen

Chronisch entzündliche Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa halten das Immunsystem dauerhaft aktiviert. Dadurch kann die Leukozytenzahl langfristig erhöht sein – auch ohne akute Infektion.

Stress, Rauchen und körperliche Belastung

Physiologische Auslöser sind ebenfalls möglich: Intensiver Sport, psychischer Stress, Rauchen oder auch eine Schwangerschaft können vorübergehend oder dauerhaft leicht erhöhte Leukozytenwerte verursachen. Diese sogenannte physiologische Leukozytose ist in der Regel harmlos und bedarf keiner Behandlung.

Medikamente

Bestimmte Arzneimittel beeinflussen die Leukozytenproduktion. Besonders bekannt sind Kortikosteroide (wie Cortison), die die Freisetzung von Neutrophilen aus dem Knochenmark anregen und so die Leukozytenzahl erhöhen. Auch Lithium, Epinephrin und bestimmte Wachstumsfaktoren (G-CSF) können diesen Effekt haben.

Hämatologische Erkrankungen

Die ernsthafteste Ursache einer stark erhöhten Leukozytenzahl sind Erkrankungen des Knochenmarks, insbesondere Leukämien. Bei diesen Krebserkrankungen des blutbildenden Systems vermehren sich weiße Blutkörperchen unkontrolliert. Man unterscheidet akute Formen (AML, ALL) mit sehr raschem Verlauf und chronische Formen (CML, CLL), die sich langsamer entwickeln. Bei starker Leukozytose ohne erklärbaren Auslöser ist eine weiterführende Diagnostik unbedingt erforderlich.

Diagnose: Blutbild und Differenzialblutbild

Die Grundlage jeder Leukozytose-Abklärung ist das Blutbild. Im kleinen Blutbild wird lediglich die Gesamtzahl der Leukozyten gemessen. Aufschlussreicher ist das große Blutbild mit Differenzialblutbild: Hier wird bestimmt, welche Untergruppen der weißen Blutkörperchen erhöht sind – ein entscheidender Hinweis auf die Ursache:

  • Erhöhte Neutrophile → typisch für bakterielle Infektionen oder Kortison-Einnahme
  • Erhöhte Lymphozyten → häufig bei viralen Infektionen oder CLL
  • Erhöhte Eosinophile → Hinweis auf Allergie oder Parasitenbefall
  • Sehr unreife Zellen (Blasten) → Verdacht auf akute Leukämie

Je nach Befund können weitere Untersuchungen folgen: Entzündungsmarker (CRP, BSG), Knochenmarkspunktion, bildgebende Verfahren oder eine Überweisung zur Hämatologie.

Wann ist eine hohe Leukozytenzahl gefährlich?

Leicht erhöhte Werte im Rahmen eines Infekts oder einer vorübergehenden Belastung sind in der Regel nicht besorgniserregend und normalisieren sich nach Abklingen der Ursache von selbst. Anders verhält es sich bei:

  • Werten deutlich über 30.000–50.000/µl ohne erklärbaren Auslöser
  • Anhaltend erhöhten Werten über mehrere Wochen
  • Gleichzeitig veränderten anderen Blutwerten (Blutplättchen, Hämoglobin)
  • Begleitenden Symptomen wie anhaltender Müdigkeit, Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust oder vergrößerten Lymphknoten

Diese Konstellation erfordert eine zeitnahe ärztliche Abklärung.

Behandlung

Eine Leukozytose wird nicht isoliert „behandelt“ – die erhöhte Zellzahl ist Symptom, keine Diagnose. Therapiert wird die zugrundeliegende Ursache: Antibiotika bei bakterieller Infektion, entzündungshemmende Medikamente bei Autoimmunerkrankungen oder Chemotherapie und gezielte Behandlungen bei Leukämien. Ist die Ursache beseitigt oder unter Kontrolle, normalisiert sich die Leukozytenzahl in der Regel von selbst.

Häufig gestellte Fragen

Ab welchem Wert spricht man von einer Leukozytose?

Mediziner sprechen von einer Leukozytose, wenn die Zahl der weißen Blutkörperchen dauerhaft über 10.000–11.000 Zellen pro Mikroliter (µl) Blut liegt. Der genaue Grenzwert kann je nach Labor leicht variieren. Vorübergehend erhöhte Werte, etwa während eines Infekts, sind häufig und meist harmlos.

Kann Stress die Leukozytenzahl erhöhen?

Ja. Sowohl körperlicher Stress (z. B. intensiver Sport) als auch psychischer Stress kann vorübergehend zu erhöhten Leukozytenwerten führen. Diese sogenannte Stressleukozytose ist eine normale physiologische Reaktion und verschwindet meist nach der Erholungsphase von selbst.

Müssen erhöhte Leukozyten immer behandelt werden?

Nein. Behandelt wird nicht der erhöhte Blutwert selbst, sondern die Ursache dahinter – und nur, wenn diese behandlungsbedürftig ist. Ein durch einen Infekt ausgelöster erhöhter Wert normalisiert sich nach der Genesung ohne zusätzliche Maßnahmen. Bei ernsteren Erkrankungen wie einer Leukämie ist eine gezielte Therapie notwendig.

Was zeigt das Differenzialblutbild bei erhöhten Leukozyten?

Das Differenzialblutbild schlüsselt auf, welche Untergruppen der weißen Blutkörperchen erhöht sind. Dominieren die Neutrophilen, spricht das eher für eine bakterielle Infektion. Erhöhte Lymphozyten finden sich häufiger bei viralen Erkrankungen. Unreife Zellen (sog. Blasten) können auf eine akute Leukämie hinweisen und erfordern sofortige weitere Diagnostik.

Können Medikamente die Leukozytenzahl erhöhen?

Ja, bestimmte Medikamente – vor allem Kortikosteroide wie Cortison – stimulieren die Freisetzung von weißen Blutkörperchen aus dem Knochenmark und erhöhen so die Leukozytenzahl. Wer regelmäßig solche Medikamente einnimmt, sollte den behandelnden Arzt informieren, wenn ein Blutbild ausgewertet wird, um Fehlinterpretationen zu vermeiden.

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