Die Wikinger gehören zu den bemerkenswertesten Seefahrervölkern der Geschichte. Zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert breiteten sie sich von ihren skandinavischen Heimatländern aus über weite Teile Europas, den Nordatlantik und sogar bis nach Nordamerika aus. Die Frage, wo die Wikinger am stärksten siedelten, lässt sich nicht auf einen einzigen Ort reduzieren — ihr Siedlungsnetz erstreckte sich über Tausende von Kilometern.

Skandinavien: Die Heimat der Wikinger
Der ursprüngliche Lebensraum der Wikinger war Skandinavien — insbesondere das heutige Dänemark, Schweden und Norwegen. Hier lebten sie hauptsächlich als Bauern, Fischer und Händler. Die Bevölkerungszunahme und der Mangel an fruchtbarem Ackerland, besonders in Norwegen mit seinen schroffen Fjorden und gebirgigen Landschaften, trieb viele Wikinger dazu, neue Gebiete zu erschließen.
Besonders dicht besiedelt war die schwedische Region Uppland, die bis heute die höchste Konzentration wikingerzeitlicher Runensteine weltweit aufweist. In Dänemark bildeten Jütland und die dänischen Inseln das Herzstück des wikingischen Siedlungsraums. Zentrale Handelsplätze wie Hedeby (in der heutigen deutschen Schleswig-Holsteinischen Grenzregion) und Birka (in Schweden) zählten zu den bedeutendsten Städten der Wikingerzeit.
Die Britischen Inseln: England, Schottland und Irland
Keine Region außerhalb Skandinaviens wurde so intensiv und dauerhaft von den Wikingern besiedelt wie die Britischen Inseln. Die dänischen Wikinger überfielen ab 793 n. Chr. die englische Küste und gründeten mit der Zeit ein eigenes Herrschaftsgebiet im Norden und Osten Englands — das sogenannte Danelag (Danelaw). Im Jahr 886 einigten sich der englische König Alfred der Große und der dänische Wikingerkönig Guthrum auf eine Grenzziehung: Das Danelaw umfasste Gebiete wie Northumbria, East Anglia und Teile von Mercia, einschließlich moderner Grafschaften wie Norfolk, Suffolk und Cambridgeshire.
In Irland gründeten die norwegischen Wikinger um 841 n. Chr. die Stadt Dublin, die sich zu einer bedeutenden Handelsmetropole entwickelte. Auch Städte wie Waterford, Cork und Limerick gehen auf Wikingerkolonien zurück. Die schottischen Inseln — Orkney, Shetland und die Hebriden — wurden ebenfalls intensiv besiedelt und blieben über Jahrhunderte stark von der nordischen Kultur geprägt.
Island: Die größte freiwillige Wikingersiedlung
Island nimmt in der Geschichte der Wikingersiedlungen eine besondere Stellung ein. Ab etwa 870 n. Chr. begannen hauptsächlich norwegische Wikinger, die unbewohnte Insel systematisch zu besiedeln. Innerhalb weniger Jahrzehnte entstand dort eine vollständige Gesellschaft mit eigener Rechtsordnung — dem Allthing, einem der ältesten Parlamente der Welt, gegründet 930 n. Chr. Um das Jahr 930 war Island nahezu vollständig besiedelt, mit einer Bevölkerung von schätzungsweise 20.000 bis 30.000 Menschen.
Island ist insofern ein Sonderfall, als es sich nicht um eine Eroberung handelte, sondern um eine planmäßige Kolonisierung eines leeren Landes. Die isländischen Sagas, die schriftliche Überlieferung der Wikingerzeit, entstanden großteils auf Island und gelten bis heute als unschätzbare historische Quelle.
Grönland und Nordamerika: Die fernsten Siedlungen
Von Island aus stieß Erik der Rote um 985 n. Chr. nach Grönland vor und gründete dort zwei Siedlungen: die Ostsiedlung (Eystribyggð) und die Westsiedlung (Vestribyggð). Auf dem Höhepunkt beherbergten diese Kolonien mehrere Tausend Menschen. Die Grönlandsiedlungen bestanden rund 500 Jahre lang, bevor sie im 15. Jahrhundert, wahrscheinlich durch eine Kombination aus Klimaverschlechterung (Kleine Eiszeit), wirtschaftlichen Schwierigkeiten und Konflikten mit den Inuit, aufgegeben wurden.
Leif Eriksson, der Sohn Erik des Roten, erreichte um das Jahr 1000 n. Chr. als erster Europäer nachweislich den nordamerikanischen Kontinent — rund 500 Jahre vor Christoph Kolumbus. Die einzige archäologisch bestätigte Wikingerstation in Nordamerika befindet sich in L’Anse aux Meadows an der Nordspitze Neufundlands (Kanada), entdeckt 1960. Die Siedlung war offenbar nur etwa ein Jahrzehnt in Betrieb. Aktuelle Forschungen (2025) setzen verstärkt auf Satellitentechnologie, um entlang der Küsten Neufundlands und Labradors nach weiteren, bisher unentdeckten Stützpunkten zu suchen.
Die Normandie: Wikinger werden Normannen
Im Jahr 911 schloss der westfränkische König Karl der Einfältige mit dem Wikingerführer Rollo einen Vertrag: Rollo erhielt die Herrschaft über ein Gebiet im Nordwesten des heutigen Frankreichs — die Normandie (= „Land der Nordmänner“). Im Austausch sollte er weitere Wikingereinfälle abwehren und zum Christentum konvertieren. Die Normannen integrierten sich rasch in die fränkische Gesellschaft, übernahmen die französische Sprache und Kultur, behielten jedoch ihre nordische Kampfkraft. 1066 eroberten die Normannen unter Wilhelm dem Eroberer England — eine direkte Folge der Wikingersiedlungen in der Normandie.
Der Osten: Waräger und die Entstehung Russlands
Die schwedischen Wikinger, auch Waräger genannt, richteten ihren Expansionsdrang nach Osten. Ab etwa 750 n. Chr. drangen sie entlang der osteuropäischen Flüsse — Wolga, Dnjepr, Düna — tief ins heutige Russland, die Ukraine und Belarus vor. Das Wort „Rus“, von dem sich der Name Russland ableitet, geht auf die altnordische Bezeichnung für schwedische Ruderer zurück. Die Waräger gründeten Städte wie Nowgorod und Kiew und nutzten die Flüsse als Handelsrouten bis nach Konstantinopel und Bagdad.
Die Warägergarde in Konstantinopel (heute Istanbul) war eine berühmte Eliteeinheit des Byzantinischen Kaisers, zusammengesetzt aus nordischen Kriegern — ein Zeichen für die weitreichende Präsenz der Wikinger auch im Mittelmeerraum.
Aktuelle archäologische Forschung (2025–2026)
Die Erforschung der Wikingerzeit ist keineswegs abgeschlossen. 2025 entdeckten norwegische Archäologen in Stavanger ein 40 Meter langes wikingerzeitliches Gebäude. In Schweden wurden im Rahmen von Ausgrabungen entlang der E18-Autobahn in Västmanland außergewöhnliche Schätze geborgen: zwei in Gräbern aufrecht stehende Schwerter — eine äußerst seltene Bestattungspraxis — sowie Goldschmuck, Spielsteine aus Walknochen und reich verziertes Pferdegeschirr. Diese Funde belegen, wie vielfältig und dicht die wikingerzeitliche Besiedlung Skandinaviens war.
Häufig gestellte Fragen
Wo siedelten die Wikinger am dichtesten?
Die dichteste Besiedlung fand in Skandinavien selbst statt — vor allem in Dänemark, Südschweden (besonders Uppland) und entlang der norwegischen Küste. Außerhalb Skandinaviens war Island die am planmäßigsten besiedelte Wikinger-Kolonie, gefolgt vom englischen Danelaw.
Haben die Wikinger wirklich Amerika entdeckt?
Ja. Die Siedlung L’Anse aux Meadows in Neufundland, Kanada, gilt seit ihrer Entdeckung 1960 als archäologischer Beweis dafür, dass Wikinger um das Jahr 1000 n. Chr. Nordamerika erreichten — rund 500 Jahre vor Kolumbus.
Wie lange existierten die Wikingersiedlungen in Grönland?
Die Wikingersiedlungen in Grönland bestanden etwa 500 Jahre, von rund 985 n. Chr. bis ins 15. Jahrhundert. Sie wurden vermutlich wegen der Kleinen Eiszeit, wirtschaftlicher Probleme und Konflikten mit den Inuit aufgegeben.
Was ist das Danelaw?
Das Danelaw war ein Gebiet im Norden und Osten Englands, das im späten 9. Jahrhundert unter dänisch-wikingischer Herrschaft stand. Es umfasste Regionen wie Northumbria und East Anglia. Die Grenze wurde 886 n. Chr. im Vertrag zwischen Alfred dem Großen und dem Dänenkönig Guthrum festgelegt.
Woher kommt der Name „Russland“?
Der Name Russland leitet sich von den schwedischen Wikingern ab, die von Finnen und Slawen „Rus“ genannt wurden — wahrscheinlich nach dem altnordischen Begriff für Ruderer. Diese Waräger gründeten Städte wie Nowgorod und Kiew und legten damit den Grundstein für den osteuropäischen Staatenbund.
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Sources:
– [Wikinger-Siedlungsgebiete – normikon.de](http://normikon.de/siedlungen.html)
– [Wikinger – eldey.de](https://www.eldey.de/Geschichte/Wikinger/wikinger.html)
– [Die Wikinger, Siedler und Seefahrer – Lernhelfer](https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/geschichte/artikel/die-wikinger-siedler-und-seefahrer)
– [Wikingerreisen und Siedlungen – Fjord Tours](https://www.fjordtours.com/de/norwegen/menschen-und-kultur/wikinger/wikingerreisen)
– [Skandinavische Besiedlung Amerikas – Wikipedia](https://de.wikipedia.org/wiki/Skandinavische_Besiedlung_Amerikas)
– [Wikinger England: Danelaw – StudySmarter](https://www.studysmarter.de/schule/geschichte/mittelalter/wikinger-england/)
– [Norway’s 2025 archaeological finds – Science Norway](https://www.sciencenorway.no/archaeology-culture-the-middle-ages/top-archaeological-discoveries-in-norway-in-2025-vikings-gold-and-ice-finds/2598372)
– [Viking treasures in Sweden 2025 – Archaeology Magazine](https://archaeologymag.com/2025/11/viking-treasures-in-sweden-reveal-a-society-in-transition/)
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