Femke Halsema: Bürgermeisterin von Amsterdam

Lila Hawthorne

Wie ist die Bürgermeisterin von Amsterdam, Halsema?
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Zuletzt aktualisiert: 22. Mai 2026

Femke Halsema ist seit dem 12. Juli 2018 Bürgermeisterin von Amsterdam und damit die erste Frau, die dieses Amt auf nicht-kommissarischer Basis bekleidet. Als ehemalige Parlamentarierin und Parteiführerin der linksgrünen Partei GroenLinks bringt sie eine klare politische Handschrift in die Stadtpolitik ein: Sie steht für soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und eine offene, vielfältige Gesellschaft. In einer Stadt wie Amsterdam, die täglich mit Massentourismus, steigenden Mieten, organisierter Kriminalität und dem Druck auf den öffentlichen Raum konfrontiert ist, ist die Aufgabe alles andere als einfach. Halsema hat in ihrer Amtszeit bewiesen, dass sie bereit ist, unbequeme Entscheidungen zu treffen und sich dabei auch mit einflussreichen Interessengruppen anzulegen.

Biografie und akademischer Werdegang

Femke Halsema wurde am 25. April 1966 in Haarlem geboren und wuchs in Enschede auf, einer Stadt im Osten der Niederlande nahe der deutschen Grenze. Ihr akademischer Werdegang führte sie an die Universität Utrecht, wo sie Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt Kriminologie und Rechtssoziologie studierte. Diese wissenschaftliche Grundlage prägte ihr späteres Denken als Politikerin: datenbasiert, an sozialen Zusammenhängen interessiert und stets auf die Strukturen hinter gesellschaftlichen Problemen ausgerichtet.

Das Studium der Kriminologie ist kein Zufall. Halsema hat in ihrer gesamten Karriere ein tiefes Interesse an den Ursachen von Kriminalität, sozialer Ausgrenzung und struktureller Ungleichheit gezeigt. Für sie sind Verbrechen und soziale Probleme keine isolierten Phänomene, sondern Symptome tieferer gesellschaftlicher Missstände – ein Ansatz, der ihre politischen Prioritäten in Amsterdam direkt beeinflusst hat.

Neben ihrem Universitätsabschluss hat Halsema sich durch kontinuierliche intellektuelle Auseinandersetzung profiliert. Sie schreibt Bücher, hält Vorlesungen und hat sich auch als Dokumentarfilmerin betätigt. Dieses breite kulturelle und wissenschaftliche Engagement unterscheidet sie von vielen anderen Kommunalpolitikern und verleiht ihr in der Öffentlichkeit das Bild einer nachdenklichen, substanzorientierten Führungspersönlichkeit.

Politische Karriere vor Amsterdam

Politisch engagierte sich Halsema früh bei GroenLinks, der niederländischen Partei, die grüne und linke Positionen vereint. 1998 zog sie erstmals in das Tweede Kamer, das niederländische Unterhaus, ein. Dort machte sie schnell Karriere und übernahm 2002 die Rolle der Fraktionsvorsitzenden, die sie bis 2010 innehatte – acht Jahre an der Spitze der Parlamentsfraktion. In dieser Zeit entwickelte sie sich zu einer der profiliertesten Oppositionspolitikerinnen des Landes.

Als Fraktionsvorsitzende setzte sie sich besonders für Bürgerrechte, Sterbehilfe, Drogenpolitik und die Rechte von Minderheiten ein. Dabei scheute sie keine Konfrontation mit dem konservativen Teil des Parlaments. Ihre rhetorischen Fähigkeiten und ihr inhaltliches Wissen machten sie zu einer gefürchteten Debattiererin. Gleichzeitig arbeitete sie in bestimmten Fragen über Parteigrenzen hinweg und bewies damit pragmatische Flexibilität.

2011 verließ sie die nationale Politik nach zwölf Jahren im Parlament – eine überraschende Entscheidung für viele Beobachter, da sie auf dem Höhepunkt ihrer Bekanntheit stand. Sie erklärte, konkreter und praktischer zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen zu wollen, als es das Parlament erlaubte. In den Jahren zwischen dem Bundestag und dem Bürgermeisteramt arbeitete sie als Honorarprofessorin für Politik des 21. Jahrhunderts an der Universität Tilburg, als Publizistin und als Dokumentarfilmerin.

Diese Phase war keine politische Pause, sondern eine bewusste Neuausrichtung. Halsema entwickelte in dieser Zeit ihr Denken über Stadtpolitik und die Rolle lokaler Regierungen weiter. Die Erfahrungen als Wissenschaftlerin, Autorin und Filmemacherin schärften ihren Blick für die Komplexität sozialer Realitäten, die von der nationalen Parlamentspolitik oft abstrahiert werden.

Ernennung zur Bürgermeisterin von Amsterdam

Das Bürgermeisteramt in den Niederlanden wird nicht durch direkte Wahl der Bevölkerung vergeben, sondern durch einen mehrstufigen Nominierungsprozess. Eine Kommission des Gemeinderats erarbeitet einen Vorschlag, der schließlich vom nationalen Innenministerium genehmigt wird. Als Amsterdam 2018 einen Nachfolger für Eberhard van der Laan suchte, der im Oktober 2017 an Lungenkrebs gestorben war, fiel die Wahl auf Femke Halsema.

Van der Laan war eine außerordentlich beliebte Figur in Amsterdam gewesen, bekannt für seinen bodenständigen Stil und seinen ehrlichen Umgang mit Bürgern. Seine Krankheit und sein Tod hatten die Stadt tief bewegt. In dieses emotionale Vakuum trat Halsema mit einem klaren Profil und einer Botschaft: Amsterdam verdient eine Bürgermeisterin, die die Stadt nicht nur verwaltet, sondern aktiv gestaltet.

Am 12. Juli 2018 trat sie ihr Amt an und schrieb damit Geschichte als erste Frau dauerhaft an der Spitze der Stadt. Ihre Amtszeit war von Anfang an nicht frei von Kontroversen, aber Halsema setzte von Beginn an deutliche Signale: mehr Transparenz in der Stadtpolitik, konsequente Verfolgung organisierter Kriminalität und eine kritische Auseinandersetzung mit dem Amsterdamer Tourismusmodell.

Zweite Amtszeit: Nominierung 2024

Im Februar 2024 stimmte der Amsterdamer Gemeinderat für eine Nominierung von Halsema für eine zweite sechsjährige Amtszeit. Das war keine Selbstverständlichkeit: In ihrer ersten Amtszeit hatte sie mehrere Krisen durchgestanden und war nicht immer unumstritten gewesen. Die breite Mehrheit im Gemeinderat signalisierte jedoch, dass ihr Kurs und ihr Führungsstil das Vertrauen des politischen Amsterdams genossen.

Die zweite Amtszeit begann in einem schwierigeren Umfeld als die erste: Amsterdam kämpfte mit den Nachwirkungen der Corona-Pandemie, massiven Haushaltseinschränkungen und wachsenden gesellschaftlichen Spannungen. Der Tourismusboom war zurückgekehrt, die Wohnungsprobleme hatten sich nicht gelöst, und die organisierte Kriminalität blieb ein strukturelles Problem. Halsema übernahm dennoch die Nominierung und kündigte an, die Arbeit der ersten Amtszeit fortzusetzen und zu vertiefen.

Politische Schwerpunkte in Amsterdam

Halsema verfolgt in Amsterdam eine Agenda, die soziale Gerechtigkeit mit pragmatischen Lösungen verbindet. Zu ihren zentralen Themenfeldern gehören Wohnraumversorgung, Tourismussteuerung, organisierte Kriminalität und die Entwicklung benachteiligter Stadtteile.

Wohnraumversorgung und bezahlbares Wohnen

Amsterdam leidet wie viele europäische Großstädte unter extremer Wohnraumknappheit. Die Immobilienpreise sind in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegen, und viele Amsterdamer können sich in ihrer eigenen Stadt keine Wohnung mehr leisten. Kurzzeitvermietungsplattformen wie Airbnb haben Tausende von Wohnungen dem regulären Mietmarkt entzogen und sie in De-facto-Hotels verwandelt.

Halsema hat strenge Regeln für Ferienwohnungsvermietung eingeführt und sich für den Bau von mehr Sozialwohnungen eingesetzt. Gleichzeitig kämpft Amsterdam mit begrenzten Bauflächen in einem dichten städtischen Umfeld. Halsema steht für eine Politik, die Amsterdam als Wohnort für Amsterdamer aller Einkommensgruppen erhalten will, nicht nur für Wohlhabende und Touristen.

Tourismusmanagement und das historische Zentrum

Amsterdam ist eines der meistbesuchten Reiseziele Europas – und leidet darunter erheblich. Besonders das historische Zentrum mit dem Rotlichtviertel de Wallen und den Grachten wird von Tourismassen überrollt. Lärm, Verschmutzung, die Verdrängung von Anwohnern und die Kommerzialisierung des Stadtbildes sind sichtbare Folgen des Massentourismus.

Halsema hat in dieser Frage klare Positionen bezogen. Sie hat das landesweite I-Kriterium angewendet, das Touristen aus Coffeeshops ausschließt, und verschiedene Konzepte zur Touristenlenkung entwickelt. Auch eine Verlegung oder Neugestaltung des Rotlichtviertels stand zur Debatte, um die Überfüllung des historischen Zentrums zu reduzieren. Diese Pläne sind politisch sensibel und stoßen auf Widerstand von Prostituierten, die in de Wallen arbeiten und eine Verlegung ablehnen.

Insgesamt verfolgt Halsema eine Strategie, die den Tourismus nicht eliminieren, aber steuern und in andere Stadtteile lenken will. Amsterdam soll nicht vom Tourismus befreit werden, aber die Last soll besser auf die gesamte Stadt verteilt werden, anstatt sich im historischen Zentrum zu konzentrieren.

Bekämpfung organisierter Kriminalität

Amsterdam ist traditionell ein Knotenpunkt im europäischen Drogenhandel, was zu einer tief verwurzelten kriminellen Infrastruktur geführt hat. Gangkriminalität, Geldwäsche und Gewalt im Zusammenhang mit dem Drogenhandel sind ernsthafte Probleme, die die Sicherheit und das gesellschaftliche Klima der Stadt beeinflussen.

Halsema hat sich dafür eingesetzt, dass Sicherheitsbehörden und Stadtpolitik enger zusammenarbeiten, um kriminelle Netzwerke aufzubrechen und die Bevölkerung zu schützen. Sie hat dabei keine einfachen Lösungen versprochen, sondern auf die strukturellen Ursachen des Problems hingewiesen: Armut, Ausgrenzung, mangelnde Perspektiven. Kriminalitätsbekämpfung bedeutet für sie immer auch Investitionen in Bildung und soziale Infrastruktur.

Benachteiligte Stadtteile: Nieuw-West und Zuidoost

Besonders am Herzen liegt Halsema die Entwicklung der Stadtteile Nieuw-West und Zuidoost, wo soziale Benachteiligung, hohe Arbeitslosigkeit und überproportionale Kriminalitätsbelastung konzentriert sind. Diese Viertel, die räumlich weit vom pittoresken Grachten-Amsterdam entfernt liegen, sind oft das „andere Amsterdam“, das Touristen nie sehen.

Halsema will mit gezielten Investitionen, verbesserten Bildungsangeboten und der Stärkung der lokalen Wirtschaft die Lebensbedingungen in diesen Vierteln verbessern. Dabei geht es ihr nicht nur um Sicherheit, sondern um Teilhabe: Die Bewohner von Nieuw-West und Zuidoost sollen das Gefühl haben, dass die Stadtpolitik auch für sie gemacht wird, nicht nur für das wohlhabende Amsterdamer Bürgertum.

Kontroversen und Kritik

Halsema ist keine Politikerin ohne Ecken und Kanten. Mehrfach geriet sie in ernsthafte öffentliche Auseinandersetzungen. Im Jahr 2020 überstand sie ein Misstrauensvotum im Gemeinderat, nachdem sie es abgelehnt hatte, in eine Black-Lives-Matter-Demonstration einzugreifen, die während der Corona-Pandemie Tausende von Menschen auf den Amsterdamer Dam-Platz gelockt hatte. Ihre Entscheidung, das Recht auf Versammlung über die Pandemiebeschränkungen zu stellen, war politisch umstritten, aber sie überstand die Abstimmung deutlich.

Ein persönlicher Rückschlag traf sie 2019, als ihr damals 15-jähriger Sohn mit einer deaktivierten Schusswaffe in der Bürgermeistervilla erwischt wurde. Der Vorfall war medial peinlich und nährte Kritik an Halsemas persönlicher Glaubwürdigkeit. Politisch schadete er ihr aber langfristig kaum – die breite Öffentlichkeit trennte zwischen dem privaten Vorfall und ihrer politischen Arbeit.

Kritiker werfen ihr generell vor, zu idealistisch zu sein und praktische Verwaltungslösungen zugunsten politischer Symbolik zu vernachlässigen. Insbesondere in der Wohnungsfrage, wo konkrete Fortschritte langsam kommen, muss sie sich den Vorwurf gefallen lassen, dass die Rhetorik oft ambitionierter ist als die Ergebnisse. Anhänger halten ihr zugute, dass viele der Probleme, mit denen Amsterdam kämpft, strukturell tief verwurzelt sind und sich nicht durch Bürgermeisterbeschlüsse lösen lassen.

Amsterdam und Halsema in einem europäischen Kontext

Halsema steht für eine Generation von Großstadtbürgermeistern in Europa, die versuchen, urbane Probleme neu zu denken. Fragen wie Wohnraumknappheit, Massentourismus, soziale Ungleichheit und die Auswirkungen des Klimawandels auf die Stadtentwicklung werden von Tokio bis Barcelona diskutiert – und Halsema ist Teil eines Netzwerks fortschrittlicher Städte, die voneinander lernen wollen.

Ihr Profil als ehemalige Umwelt- und Sozialpolitikerin macht sie zu einer Stimme, die in europäischen Debatten über Stadtentwicklung gehört wird. Amsterdam ist unter ihrer Führung kein perfektes Modell, aber ein Labor für Ideen, wie europäische Städte mit den Widersprüchen des 21. Jahrhunderts umgehen können: der Gleichzeitigkeit von Wohlstand und Armut, Offenheit und Überlastung, globaler Vernetzung und lokalem Zusammenhalt.

Häufig gestellte Fragen

Seit wann ist Femke Halsema Bürgermeisterin von Amsterdam?

Femke Halsema ist seit dem 12. Juli 2018 Bürgermeisterin von Amsterdam. Im Februar 2024 stimmte der Amsterdamer Gemeinderat für ihre Nominierung für eine zweite sechsjährige Amtszeit, die noch bis mindestens 2030 laufen wird.

Was macht Femke Halsema besonders?

Halsema ist die erste Frau, die das Amt der Bürgermeisterin von Amsterdam auf nicht-kommissarischer Basis innehat. Zuvor war sie zwölf Jahre Parlamentarierin und von 2002 bis 2010 Fraktionsvorsitzende der Partei GroenLinks auf nationaler Ebene. Ihr breites intellektuelles Profil als Autorin, Professorin und Filmemacherin unterscheidet sie von typischen Kommunalpolitikern.

Welche Partei vertritt Halsema?

Halsema ist Mitglied von GroenLinks, der niederländischen links-grünen Partei. Als Bürgermeisterin ist sie jedoch formal überparteilich tätig, da das Amt in den Niederlanden nicht an eine Parteimitgliedschaft gebunden ist und die Inhaberin als Repräsentantin der gesamten Stadt gilt.

Welche politischen Prioritäten hat Halsema in Amsterdam gesetzt?

Ihre zentralen Themen sind bezahlbares Wohnen, Eindämmung des Massentourismus im historischen Zentrum, Bekämpfung organisierter Drogenkriminalität und die soziale Entwicklung benachteiligter Stadtteile wie Nieuw-West und Zuidoost. Dabei legt sie stets Wert auf den Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und Kriminalität.

Wie wird die Bürgermeisterin in Amsterdam bestimmt?

In den Niederlanden wird der Bürgermeister nicht direkt von der Bevölkerung gewählt. Eine Kommission des Gemeinderats schlägt einen Kandidaten vor, der dann vom Ministerium des Innern offiziell ernannt wird. Die Amtszeit beträgt jeweils sechs Jahre, mit der Möglichkeit der Wiedernominierung durch den Gemeinderat.

Welche Kritik gibt es an Halsema?

Kritiker bemängeln, dass ihre politischen Ambitionen oft größer sind als die konkreten Ergebnisse, besonders in der Wohnungsfrage. Sie musste 2020 ein Misstrauensvotum überstehen und war in persönliche Kontroversen verwickelt. Trotzdem genießt sie breites Vertrauen im Gemeinderat, wie die Nominierung für eine zweite Amtszeit 2024 zeigt.

Hat Halsema Bücher veröffentlicht?

Ja, Femke Halsema hat mehrere Bücher zu politischen und gesellschaftlichen Themen veröffentlicht. Daneben war sie als Dokumentarfilmerin tätig und hielt Vorlesungen als Honorarprofessorin an der Universität Tilburg. Diese intellektuelle Tätigkeit zwischen 2011 und 2018 war eine bewusste Rückkehr zur inhaltlichen Arbeit außerhalb der Tagespolitik.

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