Zuse Z3: Hauptfunktion und Geschichte des ersten Computers

Sophie Eldridge

Geupdate op:

Was war die Hauptfunktion der Zuse Z3, dem ersten Computer?
Sie werden diesen Artikel in etwa 4 Minutes lesen
Zuletzt aktualisiert: 10. Juni 2026

Am 12. Mai 1941 stellte der deutsche Ingenieur Konrad Zuse in seiner Werkstatt in Berlin-Kreuzberg der Öffentlichkeit eine Maschine vor, die die Welt verändern sollte: die Zuse Z3. Sie gilt heute als der erste funktionsfähige, frei programmierbare Digitalrechner der Welt — und legte damit den Grundstein für die gesamte moderne Computertechnik. Im Mai 2026 jährte sich ihre Inbetriebnahme zum 85. Mal.

Wozu wurde die Zuse Z3 entwickelt?

Die Hauptfunktion der Z3 war die automatisierte Durchführung komplexer technisch-wissenschaftlicher Berechnungen — insbesondere statischer und aerodynamischer Rechenaufgaben, die im Ingenieurwesen und im Flugzeugbau anfielen. Der Anstoß zur Entwicklung war pragmatisch und persönlicher Natur: Konrad Zuse empfand als Ingenieurstudent und späterer Konstrukteur die mühsame, fehleranfällige Handrechnung langer mathematischer Formeln als ineffizient und zeitraubend. Eine Maschine sollte diese Arbeit übernehmen.

Die Z3 war dabei nicht für Alltagsaufgaben konzipiert — sie war ein Präzisionsinstrument für technische Fachleute. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie unter anderem für Berechnungen im Zusammenhang mit der deutschen Luftfahrtforschung eingesetzt. Dennoch ist ihre Bedeutung weit über diesen konkreten Verwendungszweck hinausgewachsen: Die Z3 bewies, dass eine Maschine prinzipiell jeden beliebigen Berechnungsvorgang automatisch, fehlerfrei und wiederholbar ausführen kann — sofern er zuvor als Programm formuliert wird.

Technische Grundlage: Relais, Binärcode und Gleitkomma

Was die Z3 von früheren mechanischen Rechenmaschinen unterschied, waren drei entscheidende Eigenschaften:

  • Freie Programmierbarkeit: Programme wurden auf gelochten Filmstreifen gespeichert und schrittweise abgearbeitet. Die Maschine konnte so für verschiedene Rechenaufgaben umkonfiguriert werden, ohne ihre Hardware zu verändern.
  • Binäre Zahlendarstellung: Die Z3 arbeitete ausschließlich mit den Zuständen 0 und 1 — dem Fundament aller modernen Digitalcomputer.
  • Gleitkommaarithmetik: Konrad Zuse führte als Erster die binäre Gleitpunktrechnung in die Rechnertechnik ein, was die Darstellung sehr großer wie sehr kleiner Zahlen mit hoher Genauigkeit ermöglichte.

Als Schaltglieder nutzte die Z3 insgesamt rund 2.000 elektromagnetische Relais — 600 für das Rechenwerk, 1.400 für den Speicher. Diese Relais öffneten und schlossen elektrische Kontakte und stellten so binäre Zustände dar. Obwohl Relais im Vergleich zu späteren Röhren und Transistoren langsam und mechanisch anfällig waren, genügten sie für die damaligen Anforderungen vollauf.

Technische Daten im Überblick

  • Baujahr: 1941
  • Entwickler: Konrad Zuse, Berlin
  • Bauweise: Elektromagnetische Relaistechnik
  • Relais gesamt: ca. 2.000
  • Arbeitsspeicher: 64 Worte à 22 Bit (entspricht ca. 200 Byte)
  • Rechengeschwindigkeit: ca. 5 Operationen pro Sekunde
  • Gewicht: ca. 1.000 kg
  • Stromverbrauch: ca. 4 Kilowatt
  • Programmeingabe: Gelochter Filmstreifen
  • Dateneingabe: Tastatur (ähnlich einer Schreibmaschine)

Wie funktionierte die Programmierung?

Die Z3 erhielt ihre Befehle über einen Lochstreifen aus altem Kinofilm. Zuse perforierte alte, belichtete 35-mm-Filmstreifen mit den Programmschritten. Die Maschine las diesen Streifen schrittweise aus und führte die codierten Operationen — Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division und Quadratwurzel — nacheinander aus. Numerische Eingaben erfolgten über eine Tastatur; Ergebnisse wurden auf einer Lampenzeile ausgegeben.

Eine Trommel, die sich etwa 5,3-mal pro Sekunde drehte, übernahm die Taktung und steuerte die einzelnen Relaisgruppen. Dieser mechanische Taktgeber ist das frühe Analogon zum modernen Prozessortakt, der heute in Milliarden von Hertz gemessen wird.

Schicksal des Originals und historische Würdigung

Das Original der Z3 wurde im Zweiten Weltkrieg — vermutlich 1944 — bei einem Bombenangriff auf Berlin zerstört. Konrad Zuse baute danach weitere Maschinen der Z-Reihe, darunter die Z4, die noch bis in die 1950er-Jahre an der ETH Zürich in Betrieb war. Ein funktionsfähiger Nachbau der Z3 befindet sich heute im Deutschen Museum in München und ist dort ausgestellt.

Die wissenschaftliche Einordnung der Z3 als „erster Computer“ ist historisch nicht unumstritten — der britische Colossus und der amerikanische ENIAC entstanden ebenfalls in den 1940er-Jahren. Entscheidend für den Vorrang der Z3 ist jedoch die Kombination aus freier Programmierbarkeit, binärer Gleitkomma-Arithmetik und vollständiger Automatisierung des Rechenvorgangs. Diese Merkmale definieren den modernen Computer — und sie fanden sich, in dieser Kombination, zuerst in der Z3.

Konrad Zuse meldete seine Entwicklungen zunächst nicht zum Patent an und blieb im Laufe des Krieges weitgehend unbeachtet. Erst Jahrzehnte später erhielt er die internationale Anerkennung, die ihm gebührt. Er starb 1995 im Alter von 85 Jahren.

Häufig gestellte Fragen

Was war die Hauptfunktion der Zuse Z3?

Die Z3 diente der automatisierten Durchführung komplexer technisch-wissenschaftlicher Berechnungen, vor allem statischer und aerodynamischer Aufgaben im Ingenieurwesen. Sie konnte Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division und Quadratwurzel automatisch und frei programmierbar ausführen.

Wann wurde die Zuse Z3 vorgestellt?

Die Zuse Z3 wurde am 12. Mai 1941 von Konrad Zuse in Berlin-Kreuzberg der Öffentlichkeit präsentiert. Im Jahr 2026 jährte sich dieses Ereignis zum 85. Mal.

Warum gilt die Z3 als erster Computer?

Die Z3 gilt als erster Computer, weil sie als erste Maschine die entscheidenden Merkmale eines modernen Computers vereinte: freie Programmierbarkeit über Lochstreifen, vollständige binäre Zahlendarstellung und Gleitkomma-Arithmetik — alles in einem vollautomatisierten, digital arbeitenden System.

Wo ist die Zuse Z3 heute zu sehen?

Das Original der Z3 wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Ein funktionsfähiger Nachbau ist heute im Deutschen Museum in München ausgestellt.

Wie viel Speicher hatte die Zuse Z3?

Die Z3 verfügte über einen Arbeitsspeicher von 64 Worten zu je 22 Bit, was etwa 200 Byte entspricht — ein winziger Bruchteil des Speichers moderner Computer, für die damaligen Anforderungen jedoch ausreichend.

{„@context“:“https://schema.org“,“@type“:“FAQPage“,“mainEntity“:[{„@type“:“Question“,“name“:“Was war die Hauptfunktion der Zuse Z3?“,“acceptedAnswer“:{„@type“:“Answer“,“text“:“Die Z3 diente der automatisierten Durchführung komplexer technisch-wissenschaftlicher Berechnungen, vor allem statischer und aerodynamischer Aufgaben im Ingenieurwesen. Sie konnte Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division und Quadratwurzel automatisch und frei programmierbar ausführen.“}},{„@type“:“Question“,“name“:“Wann wurde die Zuse Z3 vorgestellt?“,“acceptedAnswer“:{„@type“:“Answer“,“text“:“Die Zuse Z3 wurde am 12. Mai 1941 von Konrad Zuse in Berlin-Kreuzberg der Öffentlichkeit präsentiert. Im Jahr 2026 jährte sich dieses Ereignis zum 85. Mal.“}},{„@type“:“Question“,“name“:“Warum gilt die Z3 als erster Computer?“,“acceptedAnswer“:{„@type“:“Answer“,“text“:“Die Z3 gilt als erster Computer, weil sie als erste Maschine die entscheidenden Merkmale eines modernen Computers vereinte: freie Programmierbarkeit über Lochstreifen, vollständige binäre Zahlendarstellung und Gleitkomma-Arithmetik — alles in einem vollautomatisierten, digital arbeitenden System.“}},{„@type“:“Question“,“name“:“Wo ist die Zuse Z3 heute zu sehen?“,“acceptedAnswer“:{„@type“:“Answer“,“text“:“Das Original der Z3 wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Ein funktionsfähiger Nachbau ist heute im Deutschen Museum in München ausgestellt.“}},{„@type“:“Question“,“name“:“Wie viel Speicher hatte die Zuse Z3?“,“acceptedAnswer“:{„@type“:“Answer“,“text“:“Die Z3 verfügte über einen Arbeitsspeicher von 64 Worten zu je 22 Bit, was etwa 200 Byte entspricht — ein winziger Bruchteil des Speichers moderner Computer, für die damaligen Anforderungen jedoch ausreichend.“}}]}

Sources:
– [85 Jahre Zuse Z3 – der erste Computer (Datacenter Insider)](https://www.datacenter-insider.de/85-jahre-zuse-z3–der-erste-computer-a-3659028bab22f82716ca4ede16115b0c/)
– [Zuse Z3 – Wikipedia](https://de.wikipedia.org/wiki/Zuse_Z3)
– [Wie der erste Computer Geschichte schrieb: 85 Jahre Zuse Z3 | FAU](https://www.fau.de/2026/05/news/wie-der-erste-computer-geschichte-schrieb-85-jahre-zuse-z3/)
– [12. Mai 1941: Als Konrad Zuse mit der Z3 den Computer erfand | VDI Nachrichten](https://www.vdi-nachrichten.com/technik/technikgeschichte/12-mai-1941-als-konrad-zuse-mit-der-z3-den-computer-erfand/)
– [Der erste Computer – Zuses Z3 (Bernd Leitenberger)](https://www.bernd-leitenberger.de/zuse.shtml)

CP
Redaktion Citopendia.deUnsere Redaktion veröffentlicht informative Artikel zu verschiedenen Themen.

Schreibe einen Kommentar